Case-Law-System
Ein Case-Law-System ist eine Rechtsordnung, deren Rechtsfortbildung in erster Linie über gerichtliche Entscheidungen erfolgt, typisch für den angloamerikanischen Rechtskreis mit England, Wales, Irland, den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien.
Den Gegensatz bilden die kontinentaleuropäischen Kodifikationssysteme, in denen umfassende Gesetzbücher wie das ABGB oder der französische Code civil den Ausgangspunkt bilden und die Gerichte diese auslegen.
Der Unterschied ist heute weniger scharf, als die Gegenüberstellung nahelegt: Auch Common-Law-Staaten kennen umfangreiche Gesetzgebung, und in Kodifikationssystemen entwickelt die Rechtsprechung ganze Institute fort, in Österreich etwa die vorvertragliche Haftung oder den Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter.
Methodisch bleiben die Zugänge dennoch verschieden, hier die Subsumtion unter den Normtext, dort der Vergleich mit entschiedenen Fällen. Für die Praxis wird das relevant bei grenzüberschreitenden Verträgen, wo die Rechtswahl mitbestimmt, in welchem System ein Streit beurteilt wird, sowie bei der oft deutlich ausführlicheren Vertragsgestaltung nach angloamerikanischem Muster.