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Gastbeitrag10.09.20268 Min. Lesezeit

Die RAP überleben: Was im Prüfungssemester wirklich zählt - und was Mythos ist?

Von Mag. Sandra Leutl und Mag. Anna Sophie Friedrich

Die RAP gilt nicht gerade als die entspannteste Phase einer juristischen Karriere. Wie seid ihr in die Vorbereitung gestartet – und was würdet ihr heute anderen mitgeben?

Sandra: Ich würde empfehlen, möglichst viele organisatorische Dinge bereits vor Antritt des Prüfungsurlaubs zu erledigen. Ich habe mich beispielsweise schon im Vorfeld für die Paukerkurse angemeldet, die ich jedenfalls besuchen wollte, etwa den Kirchbacher-Strafrechtspaukerkurs. Auch die klassische Prüfungsliteratur, die man jedenfalls braucht, wie den PSK oder den Polizeikommentar zum StGB, hatte ich bereits besorgt.

So kann man den Prüfungsurlaub von Beginn an wirklich zum  Lernen nutzen und verliert keine wertvolle Zeit mit organisatorischen Dingen. Außerdem habe ich mir für die ersten Wochen einen groben Lernplan bis zur Bekanntgabe der Prüfungskommission gemacht. Mein Ziel war, in dieser Zeit die Grundlagen in allen relevanten Bereichen wieder aufzufrischen.

Anna: Gleichzeitig würde ich jedoch nicht gleich am ersten Tag des Prüfungsurlaubs direkt in den Vollzeit-Lernmodus wechseln. Ein Tipp von Kolleg:innen, der mir sehr geholfen hat, war, im Zeitraum bis zur Bekanntgabe der Prüfungskommission bewusst noch einen Urlaub oder zumindest Zeit für Entspannung einzuplanen.

Die Prüfungszeit dauert lange und wird noch intensiv genug. Mit einem frischen Kopf startet es sich einfach besser. Sich die wichtigsten Bereiche schon einmal anzusehen ist jedenfalls hilfreich und auch notwendig, jedoch würde ich mich noch nicht ausschließlich auf das Lernen konzentrieren.

Wie viel Strategie steckt eigentlich in der Prüfungsvorbereitung?

Sandra: Eine ganze Menge - angefangen hat das für mich bereits bei der Wahl des Prüfungstermins. Man sollte sich überlegen, zu welcher Jahreszeit man am besten lernen kann und welche Rahmenbedingungen persönlich passen. Für mich war beispielsweise klar, dass ich weder über den Sommer noch über die Weihnachtszeit lernen möchte. Deshalb habe ich mich bewusst für einen Prüfungstermin im Frühjahr entschieden.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Wahl des Prüfungspartners. Ich bin gemeinsam mit einem Kollegen aus der Kanzlei angetreten. Oft hört man die Überlegung, dass es strategisch besser sein könnte, wenn die Prüfungspartnerin oder der Prüfungspartner aus einem anderen Rechtsbereich kommt. Für mich war das aber nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger ist, dass man menschlich gut miteinander auskommt und sich während der Prüfungsphase gegenseitig unterstützt. Den Stoff muss am Ende ohnehin jeder für sich selbst beherrschen.

Anna: Ich kann Sandra nur zustimmen. Mit seinem/seiner Prüfungspartner:in verbringt man in der Prüfungsphase unglaublich viel Zeit. Deshalb ist es entscheidend, dass man sich gut versteht und kein Konkurrenzverhältnis entsteht.

Man ist bei der Prüfung schließlich ein Team. Wenn eine Person bei der mündlichen Prüfung schwächer abschneidet, kann sich das auch auf die andere Person und die Stimmung insgesamt auswirken. Umso wichtiger ist es, jemanden an seiner Seite zu haben, mit dem man sich gegenseitig unterstützt und auch einmal aufbaut, wenn es gerade nicht so gut läuft.

Es gibt bestimmt auch Zeiten, zu denen man einfach keine Lust mehr auf den Stoff hat. Wie seid ihr mit solchen Tagen umgegangen?

Anna: Wer Jus studiert hat, weiß normalerweise, was es bedeutet, große Stoffmengen zu bewältigen, und kennt die eigenen Methoden, damit umzugehen. An einem schlechten Lerntag ist es meiner Erfahrung nach oft produktiver, das Lernen für diesen Tag zu beenden und bewusst etwas anderes zu machen, statt sich stundenlang mit fehlender Konzentration durch den Stoff zu quälen.

Ich habe deshalb immer wieder bewusst Pausetage eingeplant – sogar noch zwei Tage vor der mündlichen Prüfung. Entscheidend ist aus meiner Sicht, sich selbst nicht verrückt zu machen und die eigenen Kräfte so einzuteilen, dass sie bis zum Ende der Prüfungsphase reichen.

Sandra: Ich habe ebenfalls versucht, Pausen und Freizeit ganz bewusst einzuplanen. Das hat mir geholfen, den Kopf immer wieder freizubekommen und anschließend mit neuer Energie an den Stoff heranzugehen. Ich wollte vermeiden, irgendwann nur noch in einem reinen Dauerlern-Modus zu stecken.

Wie wichtig war dabei das gemeinsame Lernen mit dem Prüfungspartner? Habt ihr viel gemeinsam gelernt oder eher getrennt?

Sandra: Mein Prüfungspartner und ich haben größtenteils jeweils für uns zu Hause gelernt. Trotzdem waren wir eng abgestimmt, insbesondere beim Zeitplan, und haben uns regelmäßig über den Stoff ausgetauscht. In den letzten Wochen vor der mündlichen Prüfung sind wir den Stoff dann auch immer wieder gemeinsam durchgegangen und haben uns gegenseitig abgeprüft.

Gerade diese Kombination aus eigenständigem Lernen und regelmäßigem Austausch hat für mich gut funktioniert. Man kann sich auf die eigenen Lernmethoden konzentrieren, hat aber gleichzeitig jemanden, mit dem man offene Fragen besprechen und den eigenen Wissensstand überprüfen kann.

Anna: Bei uns war der Austausch ebenfalls von Anfang an sehr eng. Wir haben den Stoff zunächst jeweils alleine gelernt und uns dann regelmäßig gegenseitig abgeprüft. Anfangs waren die Abstände zwischen diesen Einheiten noch größer, später wurden sie immer kürzer.

In den letzten zwei Wochen vor der mündlichen Prüfung haben wir uns fast ausschließlich gemeinsam abgeprüft und alles wiederholt. Gerade in dieser Phase war das besonders hilfreich, weil bei einer mündlichen Prüfung nun mal entscheidend ist, wie man den gelernten Stoff rüberbringt.

Dann kommt irgendwann der Moment der Wahrheit: die Prüfung selbst. War sie tatsächlich so schlimm, wie man sie sich vorher ausmalt?

Anna: Ich habe die Prüfungssituation als sehr angenehm erlebt. Natürlich läuft eine Prüfung nicht immer perfekt, aber das sollte einen nicht entmutigen. Entscheidend ist, bis zum Ende weiterzukämpfen und sich von einer herausfordernden Situation nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

Die Prüfungen der eigenen Prüfer:innen vorher anzusehen, würde ich allen empfehlen und ans Herz legen. Man weiß dadurch zumindest ein Stück weit, was einen erwartet, und geht entsprechend ruhiger in die eigene Prüfung.

Sandra: Wie man die Prüfungssituation erlebt, hängt natürlich einerseits von den persönlichen Faktoren, andererseits aber auch von den jeweiligen Prüfer:innen ab. Ich selbst habe die Prüfungssituation aber ebenfalls durchaus als angenehm empfunden.

Auch mir hat es sehr geholfen, dass ich mir bereits im Vorfeld Prüfungen bei meinen eigenen Prüfer:innen angesehen habe. Dadurch konnte ich mir ein Bild von der Atmosphäre und vom Ablauf machen und besser einschätzen, was mich tatsächlich erwartet. Vieles, was vorher abstrakt und beängstigend wirkt, wird dadurch konkreter – und das nimmt einen großen Teil der Unsicherheit.

Wie unterstützt euch E+H bei der Vorbereitung für die RAP? Und wie viel davon hilft einem tatsächlich bei der Prüfung?

Sandra: Neben meiner Erfahrung aus dem Arbeitsalltag bei E+H habe ich vor allem unsere interne EHAcademy als sehr wertvoll empfunden.

Kurz vor meinem Prüfungsurlaub gab es beispielsweise eine EHAcademy-Veranstaltung zum Thema Immobilientransaktionen. Der vortragende Kollege ist dabei auch gezielt auf besonders prüfungsrelevante Aspekte eingegangen. Das hat mir später in der Vorbereitung sehr geholfen, weil unser Prüfer in den Fächern Vertragsgestaltung und Steuerrecht besonderen Wert auf Immobilientransaktionen gelegt hat. Ich konnte daher auch die Unterlagen aus dieser Veranstaltung wieder heranziehen.

Anna: Stimmt, die regelmäßige EHAcademy war für mich ebenfalls hilfreich. Die tägliche Arbeit bei E+H vermittelt aber auch Fähigkeiten, die über konkretes Fachwissen hinausgehen – etwa souveränes Auftreten, Durchhaltevermögen und Kommunikationsfähigkeit. Gerade bei der mündlichen Prüfung sind solche Fähigkeiten natürlich nicht unwesentlich.

Und welches konkrete Wissen aus eurer täglichen Arbeit konntet ihr für die RAP mitnehmen?

Anna: Bei Corporate/M&A bekommt man durch die tägliche Arbeit Einblicke in verschiedene Rechtsgebiete. Für mich waren insbesondere Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Immobilienrecht und Arbeitsrecht hilfreich.

Ich glaube, das ist ein Punkt, den man während der Vorbereitung leicht übersieht: Man beginnt nicht bei null. Manches von dem, was man für die RAP braucht, hat man im Arbeitsalltag als Konzipient:in bereits gesehen und angewendet – oft ohne bewusst daran zu denken, dass es später einmal für die Prüfung hilfreich sein könnte.

Sandra: Bei mir sieht es ähnlich aus. Durch meine Arbeit im Restrukturierungsbereich hatte ich auch den Vorteil, mit sehr unterschiedlichen Rechtsgebieten in Berührung zu kommen. Restrukturierung ist schließlich eine klassische Querschnittsmaterie.

Neben dem Insolvenzrecht konnte ich deshalb insbesondere auf Kenntnisse im Unternehmens- und Gesellschaftsrecht, im allgemeinen Zivilrecht – vor allem im Kredit- und Sicherungsrecht – sowie im Immobilienrecht zurückgreifen. Da wir in unserer Practice Group außerdem regelmäßig Insolvenzanfechtungsverfahren begleiten, konnte ich auch grundlegende Kenntnisse im Zivilprozessrecht aus meinem Arbeitsalltag für die Prüfungsvorbereitung mitnehmen.

Wenn ihr heute noch einmal am Anfang des Prüfungsurlaubs stehen würdet: Was würdet ihr eurem damaligen Ich mitgeben?

Anna: Mir hat vor allem der Austausch mit Kolleg:innen geholfen – sowohl vor als auch während des Prüfungsurlaubs. Dadurch bekommt man einen viel realistischeren Eindruck davon, was tatsächlich auf einen zukommt.

Natürlich braucht man eine gute Vorbereitung, Zeitmanagement und viel Lernzeit. Trotzdem gehört immer auch ein bisschen Glück dazu. Und wahrscheinlich wird fast jeder irgendwann eine Phase haben, in der man an sich selbst zweifelt. Das ist völlig normal.

Wichtig ist, sich in solchen Momenten wieder aufzubauen und mit einer positiven Grundhaltung an die Lernzeit und schließlich auch an die Prüfung heranzugehen.

Sandra: Ich würde mir vor allem vor Antritt des Prüfungsurlaubs weniger Stress machen. Im Vorfeld hört man so viele Horrorgeschichten über die Rechtsanwaltsprüfung. Heute würde ich diesen Geschichten deutlich weniger Bedeutung beimessen.

Die Prüfung ist anspruchsvoll, aber mit einer guten Vorbereitung und einem klaren Plan aus meiner Sicht gut zu bewältigen.

Anna: Ein guter Plan, die richtigen Menschen an seiner Seite, Durchhaltevermögen – und zwischendurch auch einmal bewusst ein freier Tag – sind wahrscheinlich wichtiger, als man am Anfang denkt. Und am Ende ist es "nur" eine Prüfung, die schon sehr viele Juristinnen und Juristen vor uns erfolgreich gemeistert haben.

Foto von Mag. Sandra Leutl

Mag. Sandra Leutl

Rechtsanwaltsanwärterin

Mag. Sandra Leutl ist Rechtsanwaltsanwärterin in den Practice Groups Banking + Finance und Restrukturierung + Insolvenz.
Foto von Mag. Anna Sophie Friedrich

Mag. Anna Sophie Friedrich

Rechtsanwaltsanwärterin

Mag. Anna Sophie Friedrich ist Rechtsanwaltsanwärterin in den Practice Groups Corporate + M&A, Banking + Finance und Kapitalmarktrecht.
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