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Rechtsanwaltsprüfung · Ratgeber

Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung: der Lernplan für die Konzipientenzeit

Die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung läuft in drei Phasen entlang der RAPG-Fristen. So planst du Lernzeit, Prüfungsurlaub, Material und Kurse.

9 Kapitel12 Min. Lesezeit

Inhalt

Drei Fristen bestimmen, wann du bei der Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung was wissen kannst: die Ausbildungshalbtage vor dem Antritt, die Verständigung über den Prüfungssenat und die Zeit zwischen letzter Klausur und mündlicher Prüfung. Daran hängt dieser Plan.

Wer diese Fixpunkte kennt, kann Lernphasen, Prüfungsurlaub und Material darauf ausrichten, statt gegen den Kalender zu arbeiten. Dieser Ratgeber liefert die Strategie dazu. Voraussetzungen, Anmeldung und Ablauf der Prüfung selbst stehen in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rechtsanwaltsprüfung ist eine Berufsprüfung: Nach § 1 RAPG geprüft werden Gewandtheit in der Besorgung anwaltlicher Angelegenheiten, die Abfassung von Rechtsurkunden und der geordnete Vortrag, kein Detailwissen um seiner selbst willen.
  • Ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien zwei Wochen bis einen Monat bezahlte Freistellung (Stand 2025).
  • Die angemessenen Seminargebühren aller 42 gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungshalbtage bis zur Eintragung muss die Ausbildungskanzlei tragen (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015, § 1 Abs 2 lit f RAO). Vorbereitungskurse und Prüfungsgebühr sind Verhandlungssache. Die frühere Bildungskarenz steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung, rechne also ohne Förderung.
  • Der Lernplan hat drei Phasen: Breitenphase vor der Verständigung, prüferspezifische Phase ab Bekanntgabe des Senats vier Wochen vor der ersten Klausur (§ 9 RAPG), mündliche Feinphase in den mindestens drei Wochen nach der letzten Klausur (§ 18 Abs 1 RAPG).
  • In der prüferspezifischen Phase zählen zwei Hebel: Walzen und Fragensammlungen zu genau deinen Prüfer:innen, jede Walze vorher gegen den geltenden Rechtsstand geprüft, und das freiwillige Vorstellungsgespräch beim Prüfungssenat.

Was prüft die Rechtsanwaltsprüfung wirklich und was heißt das für dein Lernen?

Die Rechtsanwaltsprüfung prüft anwaltliches Können, kein Lexikonwissen. § 1 RAPG nennt als Maßstab die Gewandtheit bei der Einleitung und Besorgung anwaltlicher Angelegenheiten, die Eignung zur Abfassung von Rechtsurkunden und Rechtsgutachten sowie den geordneten schriftlichen und mündlichen Vortrag einer Rechts- und Sachlage. Wer die Prüfung mit Uni-Logik angeht, also Skripten liest und Entscheidungen memoriert, trainiert am Ziel vorbei.

Schreiben und Vortragen sind deshalb die Kerndisziplinen der Vorbereitung. Die drei Klausuren verlangen fertige Schriftsätze in acht Stunden, die mündliche Prüfung verlangt Falllösung im Gespräch (§§ 13, 15, 20 RAPG). Erfahrungsberichte bestätigen die Konsequenz: Grundlagen sicher beherrschen und Literaturhinweise der Prüfer:innen ernst nehmen zählt mehr, als jede höchstgerichtliche Entscheidung zu kennen. Einzelne Prüfer:innen verlangen allerdings sehr wohl Detailwissen, weshalb sich die Stoffabgrenzung im Vorstellungsgespräch klären lässt.

Wann beginnst du mit der Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung?

Die Vorbereitung startet deutlich früher, als die intensive Lernphase vermuten lässt. Organisatorisch beginnt sie mit der Vormerkung beim Oberlandesgericht, deren Vorlaufzeiten je nach Sprengel beträchtlich sind, fachlich mit dem ersten Kanzleitag. Die konkreten Fristen dazu stehen in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung. Jeder Schriftsatz und jede Verhandlung ist Prüfungstraining, wenn du sie bewusst dafür nutzt.

Zwei Dinge gehören von Beginn an auf den Plan.

  1. Die Ausbildungshalbtage sammeln: Vor dem Antritt sind mindestens 24 Halbtage zu absolvieren (§ 34 Abs 2 RL-BA 2015). Verteile sie über die Ausbildungsjahre, wähle sie mit Blick auf die Prüfungsgegenstände der §§ 13 und 20 RAPG aus und lass Veranstaltungen außerhalb der Anwaltsakademie (AWAK) von der zuständigen Rechtsanwaltskammer approbieren. Zuständig ist die Kammer, in deren Sprengel die Veranstaltung stattfindet, bei Online-Seminaren jene am Sitz des Veranstalters (§ 36 Abs 1 RL-BA 2015). In Wien approbiert die Kammer erst nach der Teilnahme, eine Vorabauskunft ist möglich, aber unverbindlich.
  2. Die Lückenanalyse machen: Ein einfacher Selbsttest fragt, in wie vielen der zehn Ziffern des § 20 RAPG du aus deiner Aktenpraxis wirklich firm bist. Wer nur zwei oder drei Gebiete kennt, braucht mehr Vorlauf als jemand mit fünf oder sechs.

Lernplan für die Rechtsanwaltsprüfung: drei Phasen entlang der gesetzlichen Taktgeber

Der Lernplan für die Rechtsanwaltsprüfung richtet sich nach den Fristen des RAPG, denn sie bestimmen, wann du was wissen kannst. Vor der Verständigung kennst du weder Senat noch Spezialgebiet, danach ändert sich die Vorbereitung grundlegend.

Breitenphase

Zeitraum
etwa Monate sechs bis zwei vor der ersten Klausur, berufsbegleitend
Auslöser
kein gesetzlicher Fixpunkt
Schwerpunkt
Grundlagen, Schriftsätze, offene Halbtage

Prüferspezifische Phase

Zeitraum
ab der Verständigung, mindestens vier Wochen vor der ersten Klausur
Auslöser
§ 9 RAPG
Schwerpunkt
Prüferrecherche und die zwei bekanntgegebenen Spezialgebiete

Mündliche Feinphase

Zeitraum
mindestens drei Wochen zwischen letzter Klausur und mündlicher Prüfung
Auslöser
§ 18 Abs 1 RAPG
Schwerpunkt
die zehn Ziffern des § 20 RAPG
  1. Breitenphase: Grundlagen der drei Klausurfächer auffrischen, die gängigen Schriftsatztypen aktiv schreiben statt lesen, Lücken aus dem Selbsttest zu § 20 RAPG schließen, restliche Halbtage komplettieren. In dieser Phase entsteht die Substanz, die später nur noch zugespitzt wird.
  2. Prüferspezifische Phase: Mit den Namen des Senats beginnt die gezielte Arbeit. Fragensammlungen und Walzen zu genau diesen Prüfer:innen besorgen, Erfahrungsberichte früherer Kandidat:innen einholen und ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. Gleichzeitig werden die mit der Verständigung bekanntgegebenen besonderen Rechtsgebiete gezielt aufgearbeitet: das Gebiet der Verwaltungsrechtsklausur (§ 13 Z 2 RAPG) und seit 1. August 2026 auch das besondere Verwaltungsrechtsgebiet der mündlichen Prüfung (§ 20 Z 7 RAPG).
  3. Mündliche Feinphase: Die zehn Ziffern des § 20 RAPG entlang der Prüferzuteilung wiederholen, laut sprechen und sich abprüfen lassen, bei laufenden mündlichen Prüfungen zuhören.

Die wenigen Tage zwischen den einzelnen Klausurterminen gehören der Erholung und punktueller Wiederholung, nicht neuen Themen. Wie eng sie liegen, steht in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung.

Die intensivste Strecke fällt üblicherweise in den Prüfungsurlaub. Eine überlange Vollzeit-Lernphase ist dabei kein Qualitätsmerkmal: Erfahrungsberichte warnen, dass zu viel Vorlauf zum Vertrödeln verleitet und die Distanz zur Praxis wächst, obwohl die Rechtsanwaltsprüfung gerade Praxisnähe belohnt.

Prüfungsurlaub und Freistellung: was üblich ist und wie du verhandelst

Ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien vor der Rechtsanwaltsprüfung zwei Wochen bis einen Monat zusätzliche bezahlte Freistellung, die Vereinbarung dazu sollte idealerweise schon vor Arbeitsbeginn getroffen werden (Stand 2025). Schon 2015 reichte die Spannweite in der Praxis von einem Monat bezahlter Freistellung bis zu gar keiner. Wer den Punkt erst kurz vor der Prüfung anspricht, verhandelt aus der schwächeren Position.

Sprich die Freistellung beim Einstieg an und formuliere sie so, dass sie in den Dienstvertrag passt: „Für die Rechtsanwaltsprüfung erhalte ich einen Monat bezahlte Freistellung. Prüfungsgebühr und ein Vorbereitungslehrgang werden von der Kanzlei getragen.“ Was davon durchgeht, entscheidet die Kanzlei. Der Satz macht aus einem Wunsch einen Punkt, über den verhandelt wird.

Reicht der gewährte Prüfungsurlaub nicht, bleiben drei Wege.

Regulären Urlaub ansparen und anschließen

Entgelt
läuft weiter
Was du dafür brauchst
angesparte Urlaubstage und eine frühe Absprache zur Lage

Unbezahlte Freistellung vereinbaren

Entgelt
entfällt für die Dauer
Was du dafür brauchst
eine ehrliche Rechnung zum Entgeltausfall, bevor du zusagst

Lernlast in die Breitenphase verlagern

Entgelt
läuft weiter
Was du dafür brauchst
mehrere Monate Vorlauf neben dem Vollzeitjob

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Bildungskarenz: Sie steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung. Das Nachfolgemodell ist die Weiterbildungszeit mit Weiterbildungsbeihilfe des AMS, beantragbar seit 8. Juni 2026. Die Kriterien sind streng (Stand Juni 2026):

  • Eine arbeitsmarktrelevante, überbetrieblich verwertbare Ausbildung von mindestens zwei Monaten und 20 Wochenstunden.
  • Mindestens zwölf Monate Beschäftigung beim aktuellen Dienstgeber.
  • Bei abgeschlossenem Master- oder Diplomstudium mindestens vier Jahre vollversicherungspflichtige Beschäftigungszeit in Österreich.

An dieser Vier-Jahres-Hürde scheitern typische Konzipient:innen schon im dritten Ausbildungsjahr. Ob eine Prüfungsvorbereitung die Kursanforderungen überhaupt erfüllt, wäre zusätzlich mit dem AMS zu klären. Plane die Finanzierung deshalb ohne diese Förderung.

Walzen und alte Prüfungsfragen: welches Material trägt

Als Walzen bezeichnen Konzipient:innen ausgearbeitete, meist prüferbezogene Antwortskripten, die von Jahrgang zu Jahrgang weitergegeben und ergänzt werden. Sie sind das inoffizielle Rückgrat der mündlichen Vorbereitung, und sie sind nur so gut wie ihr Rechtsstand: Übernommene Walzen ohne Aktualitätsprüfung transportieren alte Fristen, alte Paragrafen und mitunter ganze Rechtslagen von vorgestern. Vor der Verwendung gehört jede Walze gegen die geltende Fassung der zitierten Normen gelesen.

Es gibt mehr Quellen, als die meisten kennen.

Tiroler Rechtsanwaltskammer

Region
OLG Innsbruck
Was du bekommst
Informationsblatt zum Ablauf, Literaturliste der Prüfungszimmer, Online-Prüfungskalender
Zugang
frei abrufbar, ohne Prüfungsfragen

Oberlandesgericht Graz

Region
OLG Graz
Was du bekommst
Mappen mit Prüfungsfragen
Zugang
liegen bei Gericht auf

Wiener Juristenverband

Region
Wien
Was du bekommst
nach Prüfer:innen sortierte Fragensammlung
Zugang
für Mitglieder

Steiermärkischer Konzipientenverband

Region
Steiermark
Was du bekommst
Datenträger zur Vorbereitung
Zugang
über den Verband

Rundmail im eigenen Umfeld

Region
überall
Was du bekommst
alte Fragenkataloge von Kolleg:innen
Zugang
der einfachste Weg

Prüfungsfrühstück beim Anwaltstag

Region
alle vier Sprengel
Was du bekommst
Austausch mit Geprüften und Prüfenden
Zugang
einmal jährlich

Brauchst du einen Vorbereitungskurs für die Rechtsanwaltsprüfung?

Nein, verpflichtend ist kein einziger Vorbereitungskurs, die Rechtsanwaltsprüfung lässt sich ohne bestehen. Sinnvoll sind Kurse dort, wo deine Aktenpraxis Lücken lässt. Die Auswahl folgt also der Lückenanalyse: Wer seit Jahren Strafmandate betreut, braucht im Strafrecht wenig Unterstützung, dafür vielleicht im Abgaben- oder Insolvenzrecht, und umgekehrt.

Das Angebot lässt sich in drei Kategorien ordnen.

Seminare der Anwaltsakademie (AWAK)

Zählt als Ausbildungshalbtag
ja
Wer die Kosten trägt
die Ausbildungskanzlei, soweit es die vorgeschriebenen Halbtage sind

Vorbereitungslehrgänge und Klausurentrainings privater Anbieter

Zählt als Ausbildungshalbtag
nur nach Approbation durch die Kammer
Wer die Kosten trägt
Verhandlungssache, am besten im Dienstvertrag geregelt

Erfahrungsliteratur in Buchform

Zählt als Ausbildungshalbtag
nein
Wer die Kosten trägt
variabler Kostenposten neben Kurs und Gebühr

Die AWAK ergänzt ihre Seminare um ein kostenloses elektronisches Kursprogramm. Kurse entfalten die größte Wirkung zeitnah zur Prüfung, wenn Hinweise und Schwerpunkte frisch bleiben.

Wer die Kurskosten trägt, regelt das Berufsrecht nur zum Teil. Die angemessenen Seminargebühren der gesetzlich vorgeschriebenen 42 Ausbildungshalbtage trägt die Ausbildungskanzlei, Reise- und Nächtigungsspesen jedoch nicht (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015, § 1 Abs 2 lit f RAO). Gedeckt sind damit alle Halbtage bis zur Eintragung, auch jene über die 24 vor dem Prüfungsantritt hinaus. Für darüber hinausgehende Vorbereitungskurse und die Prüfungsgebühr regelst du die Kostenübernahme am besten ausdrücklich im Dienstvertrag.

Lernen neben dem Kanzleialltag: Methoden, die zur Praxis passen

Die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung findet überwiegend neben einem Vollzeitjob statt. Was du im Alltag mitnimmst, musst du abends nicht nachholen. Behandle jeden Schriftsatz als Klausurtraining: sauber gegliedert, unter Zeitdruck, mit bewusstem Blick auf die Schriftsatztypen der drei Klausurfächer. Notiere offene Rechtsfragen aus deinen Akten und arbeite sie am Wochenende nach, so wächst die Breitenphase, ohne eigene Lernblöcke zu verdrängen.

Eine Prüfungspartnerschaft gibt dem Lernen Struktur. Üblich ist der gemeinsame Antritt zu zweit. Als Lernform bringt die Partnerschaft geteilte Organisationsarbeit, gegenseitiges Abprüfen und Rückhalt in der Belastungsphase, kann im Einzelfall aber auch zusätzlichen Druck erzeugen. Dann lernst du besser allein, unabhängig davon, ob ihr gemeinsam antretet. Nutze außerdem die Öffentlichkeit der mündlichen Prüfungen: Zuhören zeigt Fragestil und Tempo der Prüfer:innen besser als jede Zusammenfassung. Frag die Kandidat:innen vorher kollegial, ob sie damit einverstanden sind.

Das Vorstellungsgespräch beim Prüfungssenat ist freiwillig und trotzdem verbreitet. Kandidat:innen erfragen dort Schwerpunkte, bevorzugte Themen und Stoffabgrenzungen und richten die letzten Wochen danach aus.

Die häufigsten Fehler bei der Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung

Sechs Fehler kehren in Erfahrungsberichten und Kammerhinweisen regelmäßig wieder.

Mit Uni-Methoden lernen

Woran du ihn erkennst
Du liest und memorierst, statt zu schreiben und vorzutragen.
Gegenmittel
Einen vollständigen Schriftsatz unter Acht-Stunden-Bedingungen schreiben (§ 1 RAPG).

Walzen ungeprüft übernehmen

Woran du ihn erkennst
Du weißt nicht, aus welchem Jahr deine Skripten stammen.
Gegenmittel
Jede Walze vor der Verwendung gegen die geltenden Normfassungen lesen.

Die Zeit nach der Verständigung verschenken

Woran du ihn erkennst
Du holst in diesen vier Wochen noch Grundlagen auf.
Gegenmittel
Die vier Wochen ab § 9 RAPG für Prüferrecherche und die beiden Spezialgebiete reservieren.

Prüfungsurlaub und Kosten offen lassen

Woran du ihn erkennst
Freistellung, Kurskosten und Gebühr stehen nirgends schriftlich.
Gegenmittel
Die drei Punkte beim Einstieg in den Dienstvertrag aufnehmen.

Die Lernphase überdehnen

Woran du ihn erkennst
Dein Vollzeit-Vorlauf wächst und du vertrödelst ganze Tage.
Gegenmittel
Die intensive Strecke auf den Prüfungsurlaub legen, davor berufsbegleitend lernen.

Auf gestrichene Förderungen bauen

Woran du ihn erkennst
Deine Finanzierung stützt sich auf die frühere Bildungskarenz.
Gegenmittel
Ohne Förderung rechnen, die AMS-Beihilfe passt selten (Stand Juni 2026).

Häufige Fragen zur Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung

Wie lange sollte ich für die Rechtsanwaltsprüfung lernen?

Üblich sind mehrere Monate berufsbegleitende Vorbereitung plus eine intensive Endphase im Prüfungsurlaub von zwei Wochen bis einem Monat, eine gesetzliche Vorgabe zur Lerndauer gibt es nicht. Als Maßstab für den eigenen Bedarf dient der Selbsttest, in wie vielen der zehn Ziffern des § 20 RAPG du aus der Praxis firm bist. Eine überlange Vollzeit-Lernphase gilt in Erfahrungsberichten als kontraproduktiv.

Habe ich als Konzipient:in Anspruch auf Prüfungsurlaub?

Nein, ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien zwei Wochen bis einen Monat zusätzliche bezahlte Freistellung. Verbindlich wird das erst durch eine Vereinbarung, idealerweise schon beim Einstieg (Stand 2025).

Wer zahlt Vorbereitungskurse und Prüfungsgebühr?

Die angemessenen Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsveranstaltungen trägt die Ausbildungskanzlei (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015). Vorbereitungskurse darüber hinaus und die Prüfungsgebühr von € 695 plus € 21 Eingabengebühr, insgesamt € 716, sind Verhandlungssache zwischen Kanzlei und Anwärter:in. Eine ausdrückliche Regelung im Dienstvertrag schafft von Beginn an Klarheit.

Was sind Walzen bei der Rechtsanwaltsprüfung?

Walzen sind ausgearbeitete, meist prüferbezogene Antwortskripten, die Konzipient:innen von Jahrgang zu Jahrgang weitergeben und ergänzen. Sie strukturieren vor allem die mündliche Vorbereitung entlang der zehn Prüfungsgebiete des § 20 RAPG. Vor der Verwendung muss jede Walze auf den geltenden Rechtsstand geprüft werden, sonst lernst du überholte Fristen und Normen.

Wo finde ich alte Prüfungsfragen für die Rechtsanwaltsprüfung?

Alte Prüfungsfragen bekommst du über Gerichte und Konzipientenverbände: Beim OLG Graz liegen Fragenmappen auf, der Wiener Juristenverband bietet Mitgliedern eine nach Prüfer:innen sortierte Sammlung, der Steiermärkische Konzipientenverband einen Vorbereitungs-Datenträger. Am schnellsten geht ein Rundmail ans eigene Kanzleiumfeld. Die Tiroler Rechtsanwaltskammer veröffentlicht für den Sprengel des OLG Innsbruck ein Informationsblatt zum Prüfungsablauf und eine Literaturliste der Prüfungszimmer, Prüfungsfragen enthält beides nicht.

Soll ich mich bei den Prüfer:innen vorstellen?

Ja, das Vorstellungsgespräch ist üblich und wird von Kammern wie Erfahrungsberichten empfohlen, verpflichtend ist es nicht. Kandidat:innen erfragen dort Schwerpunkte und Stoffabgrenzungen und vereinbaren den Termin direkt in der Kanzlei beziehungsweise beim Gericht der Senatsmitglieder, sobald die Verständigung vorliegt.

Wie bereite ich mich auf die Verwaltungsrechtsklausur vor?

Das besondere Rechtsgebiet der Verwaltungsrechtsklausur wird dir gemeinsam mit der Verständigung bekanntgegeben, also mindestens vier Wochen vor dem Termin (§ 9 RAPG). Seit 1. August 2026 nennt dieselbe Verständigung auch das besondere Verwaltungsrechtsgebiet für die mündliche Prüfung (§ 20 Z 7 RAPG). Diese Wochen gehören den angekündigten Gebieten und dem Training der Rechtsmitteltypen, von der Bescheidbeschwerde bis zur Revision. Beachte, dass ältere Unterlagen die heutigen Rechtsmitteltypen noch nicht abbilden: Der Aufgabenkatalog des § 13 Z 2 RAPG wurde 2017 und 2020 an die Verwaltungsgerichtsbarkeit angepasst.

Kann ich für die Prüfungsvorbereitung in Bildungskarenz gehen?

Nein, die Bildungskarenz in ihrer früheren Form steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung. Das Nachfolgemodell Weiterbildungszeit mit AMS-Weiterbildungsbeihilfe ist seit 8. Juni 2026 beantragbar, verlangt aber unter anderem eine Ausbildung mit mindestens 20 Wochenstunden und bei Master- oder Diplomabschluss mindestens vier Jahre Beschäftigungszeit in Österreich (Stand Juni 2026). Für die typische Lernphase in der Konzipientenzeit kommt die Förderung damit selten in Frage, verbindliche Auskunft gibt das AMS.

Lohnt sich ein:e Prüfungspartner:in zum Lernen?

Ja, in den meisten Fällen: Eine Prüfungspartnerschaft teilt die Organisationsarbeit, ermöglicht gegenseitiges Abprüfen und gibt Rückhalt in der Belastungsphase. Sie kann im Einzelfall aber auch zusätzlichen Druck erzeugen. Dann ist es die bessere Entscheidung, allein zu lernen, unabhängig davon, ob ihr gemeinsam antretet.

Was kostet die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung insgesamt?

Erfahrungsgemäß liegen die Gesamtkosten bei einigen tausend Euro, fix davon ist die Prüfungsgebühr von insgesamt € 716. Eine belastbare Zahl gibt es nicht, weil Kurswahl und Freistellungsmodell stark streuen. Variabel sind Kurskosten, Literatur und ein allfälliger Entgeltausfall bei unbezahlter Freistellung. Kläre vor der Lernphase, welche Posten die Kanzlei übernimmt.

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte zu Ausbildungsveranstaltungen und Approbationen erteilt die Rechtsanwaltskammer, in deren Sprengel die Veranstaltung stattfindet, zu Prüfungsterminen das zuständige Oberlandesgericht, zu Förderungen das AMS.

Stand: 15.09.2026

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