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Rechtsanwaltsprüfung · Ratgeber

Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung: der Plan, der zur Konzipientenzeit passt

Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung: Lernplan in drei Phasen, Prüfungsurlaub verhandeln, Walzen und Fragensammlungen nutzen, Kursformate und Kosten.

9 Kapitel11 Min. Lesezeit

Inhalt

Die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung folgt in Österreich drei gesetzlichen Taktgebern: Mindestens 24 Ausbildungshalbtage sind vor dem Antritt zu absolvieren (§ 34 Abs 2 RL-BA 2015), die Zusammensetzung des Prüfungssenats erfährst du mindestens vier Wochen vor der ersten Klausur (§ 9 RAPG), und zwischen der letzten Klausur und der mündlichen Prüfung liegen mindestens drei Wochen (§ 18 RAPG).

Wer diese Fixpunkte kennt, kann Lernphasen, Prüfungsurlaub und Material darauf ausrichten, statt gegen den Kalender zu arbeiten. Dieser Ratgeber liefert die Strategie dazu. Voraussetzungen, Anmeldung und Ablauf der Prüfung selbst stehen in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rechtsanwaltsprüfung ist eine Berufsprüfung: Nach § 1 RAPG geprüft werden Gewandtheit in der Besorgung anwaltlicher Angelegenheiten, die Abfassung von Rechtsurkunden und der geordnete Vortrag, kein Detailwissen um seiner selbst willen.
  • Ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien zwei Wochen bis einen Monat bezahlte Freistellung (Stand 2025).
  • Die angemessenen Kosten der 24 Pflicht-Ausbildungshalbtage trägt die Ausbildungskanzlei (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015). Vorbereitungskurse und Prüfungsgebühr sind Verhandlungssache.
  • Der Lernplan hat drei Phasen: Breitenphase vor der Verständigung, prüferspezifische Phase ab Bekanntgabe des Senats vier Wochen vor der ersten Klausur (§ 9 RAPG), mündliche Feinphase in den mindestens drei Wochen nach der letzten Klausur (§ 18 RAPG).
  • Die frühere Bildungskarenz steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung. Die Weiterbildungsbeihilfe des AMS verlangt bei Master- oder Diplomabschluss mindestens vier Jahre Beschäftigungszeit (Stand Juni 2026) und passt damit selten zur Konzipientenzeit.

Was die Rechtsanwaltsprüfung wirklich prüft und was das für dein Lernen heißt

Die Rechtsanwaltsprüfung prüft anwaltliches Können, kein Lexikonwissen. § 1 RAPG nennt als Maßstab die Gewandtheit bei der Einleitung und Besorgung anwaltlicher Angelegenheiten, die Eignung zur Abfassung von Rechtsurkunden und Rechtsgutachten sowie den geordneten schriftlichen und mündlichen Vortrag einer Rechts- und Sachlage. Wer die Prüfung mit Uni-Logik angeht, also Skripten liest und Entscheidungen memoriert, trainiert am Ziel vorbei.

Daraus folgt die wichtigste Weichenstellung der Vorbereitung: Schreiben und Vortragen sind die Kerndisziplinen. Die drei Klausuren verlangen fertige Schriftsätze in acht Stunden, die mündliche Prüfung verlangt Falllösung im Gespräch (§§ 13, 15, 20 RAPG). Erfahrungsberichte bestätigen die Konsequenz: Grundlagen sicher beherrschen und Literaturhinweise der Prüfer:innen ernst nehmen zählt mehr, als jede höchstgerichtliche Entscheidung zu kennen. Einzelne Prüfer:innen verlangen allerdings sehr wohl Detailwissen, weshalb sich die Stoffabgrenzung im Vorstellungsgespräch klären lässt.

Wann beginnst du mit der Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung?

Deutlich früher, als die intensive Lernphase vermuten lässt: Die organisatorische Vorbereitung beginnt mit der Vormerkung beim Oberlandesgericht, deren Vorlaufzeiten je nach Sprengel beträchtlich sind, die fachliche mit dem ersten Kanzleitag. Die konkreten Fristen dazu stehen in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung. Jeder Schriftsatz, jede Verhandlung und jede Aktenbearbeitung ist verdecktes Prüfungstraining, wenn du sie bewusst als solches nutzt.

Zwei Dinge gehören von Beginn an auf den Plan. Erstens die 24 Ausbildungshalbtage: über die Ausbildungsjahre verteilt gesammelt, mit Blick auf die Prüfungsgegenstände der §§ 13 und 20 RAPG ausgewählt und bei Anbietern außerhalb der Anwaltsakademie (AWAK) vorab von der Rechtsanwaltskammer approbieren lassen. Zweitens die Lückenanalyse: Ein bewährter Selbsttest aus der Wiener Prüfungspraxis fragt, in wie vielen der zehn Ziffern des § 20 RAPG du aus deiner Aktenpraxis wirklich firm bist. Wer nur zwei oder drei Gebiete kennt, braucht mehr Vorlauf als jemand mit fünf oder sechs.

Der Lernplan: drei Phasen entlang der gesetzlichen Taktgeber

Ein tragfähiger Lernplan für die Rechtsanwaltsprüfung richtet sich nach den Fristen des RAPG, denn sie bestimmen, wann du was wissen kannst. Vor der Verständigung kennst du weder Senat noch Spezialgebiet, danach ändert sich die Vorbereitung grundlegend.

  1. Breitenphase (etwa Monate sechs bis zwei vor der ersten Klausur, berufsbegleitend): Grundlagen der drei Klausurfächer auffrischen, die gängigen Schriftsatztypen aktiv schreiben statt lesen, Lücken aus dem Selbsttest zu § 20 RAPG schließen, restliche Halbtage komplettieren. In dieser Phase entsteht die Substanz, die später nur noch zugespitzt wird.
  2. Prüferspezifische Phase (ab der Verständigung, mindestens vier Wochen vor der ersten Klausur): Mit den Namen des Senats (§ 9 RAPG) beginnt die gezielte Arbeit. Fragensammlungen und Walzen zu genau diesen Prüfer:innen besorgen, Erfahrungsberichte früherer Kandidat:innen einholen und ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. Gleichzeitig wird das mit der Verständigung bekanntgegebene besondere Rechtsgebiet der Verwaltungsrechtsklausur gezielt aufgearbeitet (§ 15 RAPG).
  3. Mündliche Feinphase (die mindestens drei Wochen zwischen letzter Klausur und mündlicher Prüfung, § 18 RAPG): Die zehn Ziffern des § 20 RAPG entlang der Prüferzuteilung wiederholen, laut sprechen und sich abprüfen lassen, bei laufenden mündlichen Prüfungen zuhören.

Die wenigen Tage zwischen den einzelnen Klausurterminen gehören der Erholung und punktueller Wiederholung, nicht neuen Themen. Wie eng sie liegen, steht in unserem Ratgeber zur Rechtsanwaltsprüfung.

Die intensivste Strecke fällt üblicherweise in den Prüfungsurlaub. Eine überlange Vollzeit-Lernphase ist dabei kein Qualitätsmerkmal: Erfahrungsberichte warnen, dass zu viel Vorlauf zum Vertrödeln verleitet und die Distanz zur Praxis wächst, obwohl die Rechtsanwaltsprüfung gerade Praxisnähe belohnt.

Prüfungsurlaub und Freistellung: was üblich ist und wie du verhandelst

Ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien vor der Rechtsanwaltsprüfung zwei Wochen bis einen Monat zusätzliche bezahlte Freistellung, die Vereinbarung dazu sollte idealerweise schon vor Arbeitsbeginn getroffen werden (Stand 2025). Schon 2015 reichte die Spannweite in der Praxis von einem Monat bezahlter Freistellung bis zu gar keiner. Wer den Punkt erst kurz vor der Prüfung anspricht, verhandelt aus der schwächeren Position.

Reicht der gewährte Prüfungsurlaub nicht, bleiben drei Wege: regulären Urlaub ansparen und anschließen, eine unbezahlte Freistellung vereinbaren oder die Lernlast weiter nach vorn in die berufsbegleitende Breitenphase verlagern. Rechne den Entgeltausfall einer unbezahlten Freistellung ehrlich durch, bevor du sie zusagst.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Bildungskarenz: Sie steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung. Das Nachfolgemodell ist die Weiterbildungszeit mit Weiterbildungsbeihilfe des AMS, beantragbar seit 8. Juni 2026, mit strengen Kriterien: eine arbeitsmarktrelevante, überbetrieblich verwertbare Ausbildung von mindestens zwei Monaten und 20 Wochenstunden, mindestens zwölf Monate Beschäftigung beim aktuellen Dienstgeber und bei abgeschlossenem Master- oder Diplomstudium mindestens vier Jahre vollversicherungspflichtige Beschäftigungszeit in Österreich (Stand Juni 2026). An dieser Vier-Jahres-Hürde scheitert die typische Konzipientin im dritten Ausbildungsjahr bereits. Ob eine Prüfungsvorbereitung die Kursanforderungen überhaupt erfüllt, wäre zusätzlich mit dem AMS zu klären. Plane die Finanzierung deshalb ohne diese Förderung.

Walzen, Fragensammlungen und altes Prüferwissen: welches Material trägt

Als Walzen bezeichnen Konzipient:innen ausgearbeitete, meist prüferbezogene Antwortskripten, die von Jahrgang zu Jahrgang weitergegeben und ergänzt werden. Sie sind das inoffizielle Rückgrat der mündlichen Vorbereitung, und sie sind nur so gut wie ihr Rechtsstand: Übernommene Walzen ohne Aktualitätsprüfung transportieren alte Fristen, alte Paragrafen und mitunter ganze Rechtslagen von vorgestern. Vor der Verwendung gehört jede Walze gegen die geltende Fassung der zitierten Normen gelesen.

Die Quellenlandschaft ist breiter, als viele glauben. Das Oberlandesgericht Innsbruck veröffentlicht eine Frageliste zur Rechtsanwaltsprüfung, eine Liste der im Prüfungszimmer verfügbaren Literatur und einen Prüfungskalender. Beim OLG Graz liegen Mappen mit Prüfungsfragen auf, der Wiener Juristenverband stellt Mitgliedern eine nach Prüfer:innen sortierte Fragensammlung bereit, der Steiermärkische Konzipientenverband einen Datenträger zur Vorbereitung. Dazu kommt der einfachste Weg, ein Rundmail ans eigene Umfeld mit der Bitte um alte Fragenkataloge. Persönlichen Austausch mit Geprüften und Prüfenden aus allen vier OLG-Sprengeln bietet einmal jährlich das Prüfungsfrühstück beim Anwaltstag.

Brauchst du einen Vorbereitungskurs für die Rechtsanwaltsprüfung?

Nein, verpflichtend ist kein einziger Vorbereitungskurs, die Rechtsanwaltsprüfung lässt sich ohne bestehen. Sinnvoll sind Kurse dort, wo deine Aktenpraxis Lücken lässt. Die Auswahl folgt also der Lückenanalyse: Wer seit Jahren Strafmandate betreut, braucht im Strafrecht wenig Unterstützung, dafür vielleicht im Abgaben- oder Insolvenzrecht, und umgekehrt.

Das Angebot lässt sich in Kategorien ordnen: Seminare der Anwaltsakademie (AWAK), die zugleich als Ausbildungshalbtage zählen und um ein kostenloses elektronisches Kursprogramm ergänzt werden, prüfungsnahe Vorbereitungslehrgänge und Klausurentrainings privater Anbieter sowie Erfahrungsliteratur in Buchform. Kurse entfalten die größte Wirkung zeitnah zur Prüfung, wenn Hinweise und Schwerpunkte frisch bleiben.

Zur Kostenfrage lohnt der Blick ins Berufsrecht: Die angemessenen Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsveranstaltungen trägt die Ausbildungskanzlei, Reise- und Übernachtungsspesen jedoch nicht (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015). Für darüber hinausgehende Vorbereitungskurse und die Prüfungsgebühr regelst du die Kostenübernahme am besten ausdrücklich im Dienstvertrag.

Lernen neben dem Kanzleialltag: Methoden, die zur Praxis passen

Die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung findet überwiegend neben einem Vollzeitjob statt, die wirksamste Strategie zieht das Lernen deshalb in den Alltag hinein. Behandle jeden Schriftsatz als Klausurtraining: sauber gegliedert, unter Zeitdruck, mit bewusstem Blick auf die Schriftsatztypen der drei Klausurfächer. Notiere offene Rechtsfragen aus deinen Akten und arbeite sie am Wochenende nach, so wächst die Breitenphase, ohne eigene Lernblöcke zu verdrängen.

Eine Prüfungspartnerschaft gibt dem Lernen Struktur. Üblich ist der gemeinsame Antritt zu zweit. Als Lernform bringt die Partnerschaft geteilte Organisationsarbeit, gegenseitiges Abprüfen und Rückhalt in der Belastungsphase, kann im Einzelfall aber auch zusätzlichen Druck erzeugen. Dann lernst du besser allein, unabhängig davon, ob ihr gemeinsam antretet. Nutze außerdem die Öffentlichkeit der mündlichen Prüfungen: Zuhören zeigt Fragestil und Tempo der Prüfer:innen besser als jede Zusammenfassung. Frag die Kandidat:innen vorher kollegial, ob sie damit einverstanden sind.

Der wirksamste Einzeltermin bleibt das Vorstellungsgespräch beim Prüfungssenat. Es ist freiwillig, aber verbreitet: Kandidat:innen erfragen dort Schwerpunkte, bevorzugte Themen und Stoffabgrenzungen und richten die letzten Wochen danach aus.

Hier steht ein prägnantes Zitat aus der Praxis: ein bis zwei Sätze, die hängen bleiben.
Vorname Nachname, Funktion

Die häufigsten Fehler bei der Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung

Sechs Fehler kehren in Erfahrungsberichten und Kammerhinweisen regelmäßig wieder.

  1. Mit Uni-Methoden lernen: Lesen und Memorieren statt Schreiben und Vortragen verfehlt den Prüfungszweck des § 1 RAPG. Wer bis zur ersten Klausur keinen vollständigen Schriftsatz unter Acht-Stunden-Bedingungen produziert hat, trainiert die falsche Disziplin.
  2. Walzen ungeprüft übernehmen: Weitergegebene Skripten transportieren alte Rechtslagen. Jede Walze gehört vor Verwendung gegen die geltenden Normfassungen gelesen.
  3. Die Zeit nach der Verständigung verschenken: Die vier Wochen ab Bekanntgabe des Senats (§ 9 RAPG) sind für Prüferrecherche, Vorstellungsgespräch und das Spezialgebiet der Verwaltungsrechtsklausur reserviert. Wer dann noch Grundlagen aufholt, hat die Breitenphase falsch geplant.
  4. Prüfungsurlaub und Kostenfragen offen lassen: Freistellung, Kurskosten und Gebührenübernahme sind Verhandlungssache und gehören idealerweise in den Dienstvertrag, nicht in ein Gespräch vier Wochen vor der Klausur.
  5. Die Lernphase überdehnen: Zu langer Vollzeit-Vorlauf verleitet zum Vertrödeln und entfernt dich von der Praxis, die die Prüfung gerade abfragt.
  6. Auf gestrichene Förderungen bauen: Wer die Finanzierung der Lernphase auf die frühere Bildungskarenz stützt, plant mit einem Modell, das für neue Vereinbarungen nicht mehr existiert. Die Weiterbildungsbeihilfe des AMS passt wegen ihrer Voraussetzungen selten zur Konzipientenzeit (Stand Juni 2026).

Häufige Fragen zur Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung

Wie lange sollte ich für die Rechtsanwaltsprüfung lernen?

Eine gesetzliche Vorgabe zur Lerndauer gibt es nicht. Üblich ist eine berufsbegleitende Vorlaufphase über mehrere Monate plus eine intensive Endphase im Prüfungsurlaub von zwei Wochen bis einem Monat. Als Maßstab für den eigenen Bedarf dient der Selbsttest, in wie vielen der zehn Ziffern des § 20 RAPG du aus der Praxis firm bist. Eine überlange Vollzeit-Lernphase gilt in Erfahrungsberichten als kontraproduktiv.

Habe ich als Konzipient:in Anspruch auf Prüfungsurlaub?

Nein, ein Rechtsanspruch auf Prüfungsurlaub besteht nicht. In der Regel gewährt ein Großteil der Kanzleien zwei Wochen bis einen Monat zusätzliche bezahlte Freistellung. Verbindlich wird das erst durch eine Vereinbarung, idealerweise schon beim Einstieg (Stand 2025).

Wer zahlt Vorbereitungskurse und Prüfungsgebühr?

Die angemessenen Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsveranstaltungen trägt die Ausbildungskanzlei (§ 33 Abs 3 RL-BA 2015). Vorbereitungskurse darüber hinaus und die Prüfungsgebühr von € 695 plus € 21 Eingabengebühr, insgesamt € 716, sind Verhandlungssache zwischen Kanzlei und Anwärter:in. Eine ausdrückliche Regelung im Dienstvertrag schafft von Beginn an Klarheit.

Was sind Walzen bei der Rechtsanwaltsprüfung?

Walzen sind ausgearbeitete, meist prüferbezogene Antwortskripten, die Konzipient:innen von Jahrgang zu Jahrgang weitergeben und ergänzen. Sie strukturieren vor allem die mündliche Vorbereitung entlang der zehn Prüfungsgebiete des § 20 RAPG. Vor der Verwendung muss jede Walze auf den geltenden Rechtsstand geprüft werden, sonst lernst du überholte Fristen und Normen.

Wo finde ich alte Prüfungsfragen für die Rechtsanwaltsprüfung?

Das Oberlandesgericht Innsbruck veröffentlicht eine Frageliste samt Liste der Prüfungszimmer-Literatur. Beim OLG Graz liegen Fragenmappen auf, der Wiener Juristenverband bietet Mitgliedern eine nach Prüfer:innen sortierte Sammlung, der Steiermärkische Konzipientenverband einen Vorbereitungs-Datenträger. Zusätzlich hilft ein Rundmail ans eigene Kanzleiumfeld.

Soll ich mich bei den Prüfer:innen vorstellen?

Ja, das Vorstellungsgespräch ist üblich und wird von Kammern wie Erfahrungsberichten empfohlen, verpflichtend ist es nicht. Kandidat:innen erfragen dort Schwerpunkte und Stoffabgrenzungen und vereinbaren den Termin direkt in der Kanzlei beziehungsweise beim Gericht der Senatsmitglieder, sobald die Verständigung vorliegt.

Wie bereite ich mich auf die Verwaltungsrechtsklausur vor?

Das besondere Rechtsgebiet der Verwaltungsrechtsklausur wird dir gemeinsam mit der Verständigung bekanntgegeben, also mindestens vier Wochen vor dem Termin (§§ 9, 15 RAPG). Diese Wochen gehören dem angekündigten Gebiet und dem Training der Rechtsmitteltypen, von der Bescheidbeschwerde bis zur Revision. Beachte, dass Unterlagen aus der Zeit vor 2017 diesen Klausurtag noch gar nicht kennen.

Kann ich für die Prüfungsvorbereitung in Bildungskarenz gehen?

Nein, die Bildungskarenz in ihrer früheren Form steht für neue Vereinbarungen nicht mehr zur Verfügung. Das Nachfolgemodell Weiterbildungszeit mit AMS-Weiterbildungsbeihilfe ist seit 8. Juni 2026 beantragbar, verlangt aber unter anderem eine Ausbildung mit mindestens 20 Wochenstunden und bei Master- oder Diplomabschluss mindestens vier Jahre Beschäftigungszeit in Österreich (Stand Juni 2026). Für die typische Lernphase in der Konzipientenzeit kommt die Förderung damit selten in Frage, verbindliche Auskunft gibt das AMS.

Lohnt sich ein:e Prüfungspartner:in zum Lernen?

Ja, in den meisten Fällen: Eine Prüfungspartnerschaft teilt die Organisationsarbeit, ermöglicht gegenseitiges Abprüfen und gibt Rückhalt in der Belastungsphase. Sie kann im Einzelfall aber auch zusätzlichen Druck erzeugen. Dann ist es die bessere Entscheidung, allein zu lernen, unabhängig davon, ob ihr gemeinsam antretet.

Was kostet die Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung insgesamt?

Eine belastbare Gesamtzahl gibt es nicht, denn die Kosten hängen stark von Kurswahl und Freistellungsmodell ab. Erfahrungsgemäß geben die meisten Kandidat:innen einige tausend Euro aus. Fix ist die Prüfungsgebühr von insgesamt € 716, variabel sind Kurskosten, Literatur und ein allfälliger Entgeltausfall bei unbezahlter Freistellung. Kläre vor der Lernphase, welche Posten die Kanzlei übernimmt.

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte zu Ausbildungsveranstaltungen und Approbationen erteilt deine Rechtsanwaltskammer, zu Prüfungsterminen das zuständige Oberlandesgericht, zu Förderungen das AMS.

Stand: 01.08.2026

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