„Diplomstudium der Rechtswissenschaften, Universität Wien“ ist der Rahmen, mehr nicht. Interessant wird die Zeile durch Schwerpunkte, Wahlfächer und, wenn einschlägig, den Titel der Diplomarbeit. Weil die Curricula je Universität unterschiedlich aufgebaut sind, sagt eine Zeile zu deinen Vertiefungen mehr als die bloße Studienbezeichnung. Auszeichnungen und Leistungsstipendien gehören dazu, ein Notenschnitt gilt in österreichischen Lebensläufen dagegen als unüblich, die Zeugnisse liegen der Bewerbung ohnehin bei.
Die Gerichtspraxis ist die praktische Ausbildungszeit bei Gericht nach dem Jus-Abschluss. Rechtspraktikant:innen stehen in einem Ausbildungsverhältnis zum Staat und werden einem Bezirksgericht und einem Landesgericht zugeteilt. Sie dauert für Zulassungsanträge ab 1. Juli 2025 fünf Monate. Bei Antragstellung bis 30. Juni 2025 bleiben es sieben, sofern damals bereits alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt waren (§ 29 Abs 3 RAPG idF Budgetbegleitgesetz 2025, BGBl I 25/2025). Im Lebenslauf gehört sie in die praktische Erfahrung, mit Gerichten, Abteilungen und Aufgaben. Zu den Hauptaufgaben zählen das Ausarbeiten von Entscheidungsentwürfen, das Aufbereiten von Akten, die Teilnahme an Verhandlungen und das Schriftführen in Strafsachen. Genau solche Formulierungen tragen deine Tätigkeitszeilen. Wie es danach auf dem Weg zur Rechtsanwaltschaft weitergeht, steht in unserem Ratgeber dazu.
Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Absolvent:innen hätten keine Berufserfahrung. Bei Jurist:innen stimmt das selten. Als juristische Erfahrung zählen:
- Gerichtspraxis
- studentische Mitarbeit in einer Kanzlei
- Praktika in Rechtsabteilungen
- Moot Courts wie der in Wien ausgetragene Willem C. Vis Moot
- Mitarbeit an einem Institut oder bei einer juristischen Zeitschrift
All das ist Erfahrung, sobald du die Aufgaben konkret machst, etwa „Recherche im RIS und in juristischen Datenbanken, Entwürfe von Schriftsätzen, Vorbereitung von Verhandlungsterminen“.