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Studienwahl · Ratgeber

Jus studieren in Österreich: alle Wege, alle Unis, eine Entscheidung

Jus studieren in Österreich: Zulassung, Aufbau, Dauer und Kosten aller Wege plus der Vergleich zwischen Juridicum Wien und Wirtschaftsrecht an der WU.

8 Kapitel14 Min. Lesezeit

Inhalt

Jus studieren kannst du in Österreich als Diplomstudium Rechtswissenschaften an fünf öffentlichen Universitäten oder als Bachelor plus Master Wirtschaftsrecht an der WU Wien. Für die klassischen Rechtsberufe verlangt § 3 RAO ein Studium des österreichischen Rechts mit mindestens vier Jahren Dauer und 240 ECTS. ECTS sind die europäische Währung für Studienleistung, ein Punkt entspricht rund 25 Arbeitsstunden, ein Vollzeitsemester 30 Punkten.

Die Studienwahl entscheidet damit früher über deine Optionen, als viele glauben, und seit 2025 führt in Wien an einem Aufnahmeverfahren kein Weg mehr vorbei. Dieser Ratgeber ordnet Zulassung, Aufbau, Dauer und Kosten und vergleicht die beiden Wiener Wege im Detail.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtsgrundlage für Rechtsanwaltschaft, Richteramt und Notariat ist ein Studium des österreichischen Rechts mit mindestens vier Jahren und 240 ECTS (§ 3 RAO, § 2a RStDG, § 6a NO).
  • Das Diplomstudium Rechtswissenschaften an der Universität Wien dauert acht Semester, schließt mit dem Mag. iur. ab und hat seit der Studienreform 2025 ein Aufnahmeverfahren, für 2026/27 mit 1.700 Studienplätzen.
  • An der WU Wien führt der Weg über den Bachelor Wirtschaftsrecht (LL.B., sechs Semester, 870 Plätze für 2026/27) und den anschließenden Master (LL.M.). Erst der Master öffnet die klassischen juristischen Kernberufe.
  • Der ÖH-Beitrag beträgt € 26,20 pro Semester. Der Studienbeitrag von € 363,36 fällt für EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige erst nach der vorgesehenen Studiendauer plus zwei Toleranzsemestern an.
  • Nach dem Abschluss folgt für die meisten die Gerichtspraxis: derzeit fünf Monate, mit einem Ausbildungsbeitrag von € 1.817,60 brutto monatlich.

Was heißt Jus studieren in Österreich?

Jus ist die in Österreich übliche Kurzbezeichnung für das Studium der Rechtswissenschaften. Der klassische Weg ist das Diplomstudium Rechtswissenschaften: ein durchgehendes Studium ohne Bachelor-Master-Teilung, das mit dem Titel Magistra oder Magister iuris (Mag. iur.) abschließt. Öffentliche Universitäten mit diesem Diplomstudium gibt es in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck. Daneben bietet die WU Wien mit Wirtschaftsrecht ein rechtswissenschaftliches Studium nach dem Bologna-Modell an, also als Bachelor mit anschließendem Master.

Wer in Suchergebnissen über Referendariat oder Staatsexamen stolpert, liest gerade über Deutschland: In Österreich gibt es beides nicht. Maßgeblich ist hier § 3 RAO: Das für die Rechtsanwaltschaft erforderliche Studium des österreichischen Rechts ist an einer Universität zurückzulegen und mit einem rechtswissenschaftlichen akademischen Grad abzuschließen, wobei auch mehrere Studien zusammen zählen können. Die Studiendauer muss mindestens vier Jahre mit 240 ECTS betragen. Verlangt sind dabei nachweislich angemessene Kenntnisse unter anderem in bürgerlichem Recht und Zivilverfahrensrecht, Straf- und Strafprozessrecht, Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Unternehmens-, Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht, jeweils nach österreichischem Recht (§ 3 Abs 2 RAO). Inhaltsgleiche Anforderungen stellen § 2a RStDG für das Richteramt und § 6a NO für das Notariat.

Diese Paragrafen sind der Maßstab, an dem du jedes Studienangebot messen solltest. Ein Studium kann spannend klingen und trotzdem an den klassischen Rechtsberufen vorbeiführen, wenn es die 240 ECTS österreichisches Recht nicht abdeckt.

Welche Voraussetzungen brauchst du für das Jus-Studium?

Grundvoraussetzung ist die allgemeine Universitätsreife, also Matura, eine gleichwertige ausländische Reifeprüfung oder die Studienberechtigungsprüfung, dazu Deutschkenntnisse auf dem von der Universität verlangten Niveau. Eine bestimmte Schulform oder Fächerkombination ist nicht vorgeschrieben.

Die wichtigste Änderung der letzten Jahre betrifft den Zugang: Das Diplomstudium in Wien war lange zulassungsfrei, mit der Studienreform 2025 wurde ein Aufnahmeverfahren eingeführt. Für das Studienjahr 2026/27 gab es 1.700 Studienplätze, die Antragsfrist lief von 2. März bis 4. Mai 2026, der zweistündige schriftliche Test fand am 7. Juli 2026 in Wien statt, ohne Ersatztermin und gegen einen Kostenbeitrag von € 50. Das Verfahren findet nur einmal pro Studienjahr statt. Die Termine für 2027 veröffentlicht die Universität auf ihrer Aufnahmeverfahren-Seite, kostenlose Testliteratur und Beispielaufgaben stellt sie ebenfalls dort bereit.

An der WU Wien läuft es ähnlich: Für den Bachelor Wirtschaftsrecht registrierst du dich online, 2026 von 2. März bis 19. Mai, für 870 Studienplätze im Studienjahr 2026/27. Übersteigen die Registrierungen die Plätze, folgt ein zweistufiges Verfahren aus Online-Self-Assessment und schriftlicher Aufnahmeprüfung vor Ort in Wien. In den vergangenen Jahren gab es stets mehr Bewerbungen als Plätze. Nach bestandenem Verfahren kannst du im folgenden Winter- oder Sommersemester starten.

So sieht der Fahrplan zur Zulassung aus, mit den Eckdaten des Jahrgangs 2026 als Orientierung:

  1. Jänner bis Februar: Studienort wählen, die freiwilligen Orientierungstests der Universitäten machen, Unterlagen prüfen.
  2. Anfang März: Beide Wiener Verfahren öffnen die Registrierung, 2026 jeweils am 2. März.
  3. Anfang bis Mitte Mai: Fristende, 2026 am 4. Mai an der Universität Wien und am 19. Mai an der WU. Danach ist das Studienjahr verloren.
  4. Juni bis Juli: Testvorbereitung mit der offiziellen Testliteratur, dann der schriftliche Test, 2026 an der Universität Wien am 7. Juli.
  5. September bis Oktober: Zulassung abschließen, Studienstart, an der WU 2026 am 1. Oktober.

Ein Punkt, der oft überrascht: Latein. An der Universität Wien musst du Lateinkenntnisse bis zum Ende des ersten Studienabschnitts nachweisen, ohne ausreichendes Schullatein heißt das eine Ergänzungsprüfung neben dem Studium. An der WU ist Latein ausdrücklich keine Voraussetzung. An den übrigen Standorten regeln das die Universitäten unterschiedlich, frag vor der Zulassung direkt nach.

Wie ist das Jus-Studium aufgebaut und wie lange dauert es?

Das Diplomstudium Rechtswissenschaften umfasst 240 ECTS bei acht Semestern vorgesehener Studiendauer. In Wien gliedert es sich seit dem Curriculum 2025 in drei Abschnitte von zwei, vier und zwei Semestern, von den 240 ECTS entfallen 210 auf Pflichtmodule und 30 auf den Wahlbereich. Am Anfang steht die Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP) mit Einführungen in Öffentliches Recht, Privatrecht und Strafrecht. Erst ihre positive Absolvierung schaltet, mit wenigen Ausnahmen wie den historischen Grundlagen, das weitere Studium frei. Neu ist ein Pflichtmodul zu Methodenlehre, juristischem Arbeiten und Legal Tech.

Zur individuellen Profilbildung wählst du im Studienverlauf einen von fünf Schwerpunkten. Sie heißen Grundlagen des Rechts, Recht in seinen europäischen und internationalen Dimensionen, Innovation und Transformation im Recht, Private Rechtsgestaltung mit Dispute Resolution und Law Enforcement sowie Wirtschaftsrecht. Innerhalb des Schwerpunkts sind laut Curriculum 2025 auch Praktika im Umfang von bis zu 200 Stunden (8 ECTS) anrechenbar. Nutze das, denn Praxiserfahrung während des Studiums ist am Arbeitsmarkt mehr wert als jede zusätzliche Wahlvorlesung.

An der WU beginnt der Bachelor Wirtschaftsrecht mit einer StEOP aus drei Lehrveranstaltungen, gefolgt vom Common Body of Knowledge, einem Grundlagenblock mit Lehrveranstaltungen aus Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Statistik. Ab dem Hauptstudium liegt der Schwerpunkt dann klar auf der juristischen Ausbildung. Von den 180 ECTS entfallen 20 auf die Studieneingangsphase, 116 auf Rechtswissenschaften einschließlich Bachelorarbeit und 44 auf Wirtschaftskompetenz samt einer von 36 Spezialisierungen. Der Master Wirtschaftsrecht ergänzt vier Semester und 120 ECTS, davon 20 für die Masterarbeit.

Ehrlich gesagt: Die vorgesehene Studiendauer ist ein Planungswert, kein Erfahrungswert. Große Prüfungen verlangen Vorbereitungsphasen von Monaten, und wer nebenbei arbeitet, verschiebt sie noch einmal. Das ist kein Makel, gehört aber von Anfang an in deine Zeit- und Geldplanung.

Was kostet das Jus-Studium?

An öffentlichen Universitäten ist das Jus-Studium für die meisten zunächst beitragsfrei bis auf den ÖH-Beitrag von € 26,20 pro Semester. Der Studienbeitrag von € 363,36 pro Semester trifft EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige erst, wenn die vorgesehene Studiendauer plus zwei Toleranzsemester überschritten ist. Staatsangehörige von Drittstaaten zahlen € 726,72 ab dem ersten Semester. Ausnahmen gibt es etwa für Personen, die österreichischen Staatsangehörigen gleichgestellt sind, zum Beispiel Konventionsflüchtlinge oder Personen mit Daueraufenthalt.

Ein Detail, das kaum jemand kennt: Beim Diplomstudium zählt die beitragsfreie Zeit je Studienabschnitt neu. Für das Wiener Diplomstudium gilt die Rechnung pro Abschnitt plus zwei Toleranzsemester, mit dem Abschluss eines Abschnitts beginnt die Semesterzählung wieder bei eins. Wer die Abschnitte in vernünftigem Tempo abschließt, studiert also auch bei insgesamt längerer Dauer beitragsfrei.

Dazu kommen Kosten, die keine Beitragsordnung erfasst: der Kostenbeitrag für das Aufnahmeverfahren an der Universität Wien von € 50, Gesetzestexte in aktueller Auflage, Skripten und Fachliteratur sowie, je nach Lerntyp, kommerzielle Repetitorien und Klausurenkurse. Deren Preise schwanken je nach Fach und Anbieter stark, kalkuliere sie als eigenen Budgetposten und prüfe zuerst die kostenlosen Angebote der Universitäten, von Übungen bis zu Moot Courts, also simulierten Gerichtsverfahren im Wettbewerb.

Juridicum Wien oder WU Wien: Wo solltest du Jus studieren?

Beide Wege führen in die klassischen Rechtsberufe, aber sie tun es unterschiedlich. Das Juridicum, die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, bildet universaljuristisch aus: ein Abschluss, alle Fächer, Spezialisierung über Schwerpunkte. Die WU verbindet die juristische Ausbildung mit verpflichtender Wirtschaftskompetenz und splittet den Weg in Bachelor und Master.

Zuerst das hartnäckigste Missverständnis: Mit der WU könne man nicht Rechtsanwält:in oder Richter:in werden. Das ist falsch. Nach dem Masterstudium Wirtschaftsrecht stehen alle juristischen Kernberufe offen, also Richteramt, Rechtsanwaltschaft und Notariat, weil Bachelor und Master zusammen die Anforderungen des § 3 RAO erfüllen. § 3 RAO lässt ausdrücklich mehrere Studien als Grundlage zu. Richtig ist nur der Kern der Warnung: Der Bachelor allein reicht dafür nicht. Mit dem LL.B. ohne Master führt der Weg in Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, in den öffentlichen Dienst, in Rechtsabteilungen und Unternehmen, nicht aber in Anwaltschaft, Justiz oder Notariat.

Abschluss

Juridicum Wien (Diplomstudium)
Mag. iur.
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
LL.B. (WU), danach LL.M.

Dauer und Umfang

Juridicum Wien (Diplomstudium)
8 Semester, 240 ECTS
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
6 plus 4 Semester, 180 plus 120 ECTS

Zulassung

Juridicum Wien (Diplomstudium)
Aufnahmeverfahren, 1.700 Plätze (2026/27)
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
Aufnahmeverfahren, 870 Plätze (2026/27)

Latein

Juridicum Wien (Diplomstudium)
Nachweis bis Ende des 1. Abschnitts
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
keine Voraussetzung

Profil

Juridicum Wien (Diplomstudium)
universaljuristisch, 5 Schwerpunkte
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
Recht plus Wirtschaft, im Bachelor 116 ECTS Recht und 44 ECTS Wirtschaft

Klassische Kernberufe

Juridicum Wien (Diplomstudium)
direkt mit dem Mag. iur.
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
erst nach dem Master

Ausstieg vor dem Endabschluss

Juridicum Wien (Diplomstudium)
kein eigener Abschluss vor dem Mag. iur.
WU Wien (Wirtschaftsrecht)
LL.B. als vollwertiger Abschluss für Wirtschaft und öffentlichen Dienst

Was spricht wofür? Für das Juridicum spricht der kürzeste formale Weg: 240 ECTS in acht Semestern Regelzeit, ein Abschluss, der § 3 RAO ohne Zwischenschritt erfüllt, dazu die volle Breite von Rechtsgeschichte bis Völkerrecht und die größte Wahlfreiheit, wenn du dein Berufsziel noch nicht kennst. Für die WU sprechen das klare Profil an der Schnittstelle von Recht und Wirtschaft, die eingebaute betriebswirtschaftliche Ausbildung und der Bachelor als echter Zwischenabschluss, mit dem du nach sechs Semestern umsteigen oder aussteigen kannst, ohne mit leeren Händen dazustehen. Dafür ist der WU-Weg bis zum Kernberuf formal länger: zehn Semester Regelzeit und 300 ECTS statt acht Semestern und 240.

Unsere Empfehlung: Wenn du die Justiz ernsthaft erwägst, in die klassische Anwaltschaft willst oder dir schlicht alle Optionen ohne Zusatzschritt offenhalten möchtest, nimm das Diplomstudium. Wenn dein Ziel Wirtschaftskanzlei, Rechtsabteilung, Steuerberatung oder eine Rolle als Unternehmensjurist:in ist, wie sie unser Ratgeber zum Weg als Legal Counsel beschreibt, und dich Bilanzen nicht abschrecken, ist die WU die konsequentere Wahl. Plane dann den Master von Anfang an mit ein. Falsch ist keine der beiden Entscheidungen, teuer wird nur die unentschlossene Mitte: ein WU-Bachelor ohne Masterplan bei Berufsziel Anwaltschaft.

Was kommt nach dem Jus-Studium?

Mit dem Abschluss beginnt die praktische Ausbildung, und für fast alle Wege zuerst die Gerichtspraxis: Sie dauert derzeit fünf Monate, auf die Zulassung besteht ein Rechtsanspruch, der Ausbildungsbeitrag beträgt € 1.817,60 brutto monatlich. Verkürzt wurde sie von sieben auf fünf Monate für Zulassungsanträge ab 1. Juli 2025 (§ 29 Abs 3 RAPG idF Budgetbegleitgesetz 2025). Danach verzweigen sich die Wege in Rechtsanwaltschaft, Justiz, Notariat, Verwaltung, Unternehmen und Wissenschaft.

Die einzelnen Karrierepfade mit Voraussetzungen, Dauer und Verdienst haben wir in eigenen Ratgebern aufbereitet: den Überblick in unserem Ratgeber zur Karriere mit Jus, den Anwaltsweg im Ratgeber zum Weg in die Anwaltschaft und die ersten Berufsjahre in der Kanzlei im Survival Guide für die Konzipientenzeit.

Die häufigsten Fehler bei Studienwahl und Studienstart

  1. Die Frist verschlafen: Beide Wiener Aufnahmeverfahren finden nur einmal pro Studienjahr statt, 2026 endeten die Fristen am 4. Mai an der Universität Wien und am 19. Mai an der WU. Wer sie versäumt, verliert ein volles Jahr. Trag dir die Registrierungsfenster für 2027 ein, sobald sie veröffentlicht sind.
  2. Alles auf eine Karte setzen: Die Registrierungsfristen beider Verfahren laufen parallel im Frühjahr. Wer sich für beide anmeldet, hält sich beide Wege offen und entscheidet nach den Ergebnissen. Das kostet eine zusätzliche Gebühr und zwei Testtage, aber kein verlorenes Jahr.
  3. Die StEOP unterschätzen: An beiden Universitäten sperrt die StEOP das weitere Studium, bis sie bestanden ist. Wer das erste Semester als Eingewöhnungsphase behandelt, schiebt den Engpass nur nach hinten und verliert Anmeldefenster für Folgeprüfungen.
  4. Latein aufschieben: In Wien ist der Lateinnachweis bis zum Ende des ersten Abschnitts Pflicht. Die Ergänzungsprüfung neben laufenden Modulprüfungen ist deutlich unangenehmer als im ersten Studienjahr, erledige sie früh oder wähle bewusst einen Standort ohne Lateinpflicht.
  5. Den WU-Bachelor als Endstation planen, obwohl du in die Anwaltschaft willst: Der LL.B. allein erfüllt § 3 RAO nicht. Wenn dein Ziel Rechtsanwaltschaft, Justiz oder Notariat heißt, gehört der Master von Tag eins in deine Planung, zeitlich wie finanziell.
  6. Nach Klischee statt Berufsbild wählen: Gerichtsdramen zeigen Verhandlungen, der juristische Berufsalltag besteht nach unserer Beobachtung überwiegend aus Akten, Schriftsätzen und Recherche. Nutze vor der Entscheidung die kostenlosen Orientierungstests der Universitäten und sprich mit Menschen, die den Beruf ausüben, statt mit dem Fernsehbild.

Häufige Fragen zum Jus-Studium

Wie lange dauert das Jus-Studium in Österreich?

Das Diplomstudium Rechtswissenschaften ist auf acht Semester und 240 ECTS ausgelegt. An der WU Wien dauert der Bachelor Wirtschaftsrecht sechs und der Master vier Semester. Nach unserer Beobachtung brauchen viele Studierende länger als die vorgesehene Studiendauer, vor allem wegen der Vorbereitungszeiten für große Prüfungen.

Gibt es beim Jus-Studium einen Numerus clausus?

Nein, einen Numerus clausus nach Schulnoten wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Es gibt aber Aufnahmeverfahren mit begrenzten Plätzen: 1.700 für das Diplomstudium an der Universität Wien und 870 für den WU-Bachelor Wirtschaftsrecht, jeweils im Studienjahr 2026/27. Entscheidend ist das Testergebnis, nicht der Notenschnitt der Matura.

Kann ich mit dem WU-Studium Wirtschaftsrecht Rechtsanwält:in werden?

Ja, aber erst mit dem Master: Nach dem Masterstudium Wirtschaftsrecht stehen alle juristischen Kernberufe offen, also Rechtsanwaltschaft, Richteramt und Notariat. Der Bachelor allein erfüllt die Studienanforderungen des § 3 RAO nicht. Plane für den vollen Weg sechs plus vier Semester und insgesamt 300 ECTS ein.

Brauche ich Latein für das Jus-Studium?

Das hängt vom Standort ab. An der Universität Wien musst du Lateinkenntnisse bis zum Ende des ersten Studienabschnitts nachweisen, an der WU ist Latein keine Voraussetzung. Die übrigen Universitäten regeln Zusatzprüfungen unterschiedlich, verbindliche Auskunft gibt die jeweilige Studienzulassung.

Was kostet das Jus-Studium pro Semester?

Der ÖH-Beitrag beträgt € 26,20 pro Semester und ist von allen zu zahlen. EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige zahlen den Studienbeitrag von € 363,36 erst nach der vorgesehenen Studiendauer plus zwei Toleranzsemestern, Drittstaatsangehörige zahlen € 726,72 ab dem ersten Semester, mit Ausnahmen etwa für gleichgestellte Personen. Bücher, Gesetzesausgaben und freiwillige Kurse kommen dazu.

Kann ich Jus im Fernstudium studieren?

Ja. Die Johannes Kepler Universität Linz bietet das Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften an: ein E-Learning-Studium, das in Prüfungsmodus, Inhalt und Bewertung mit dem Präsenzstudium identisch ist und mit dem Mag. iur. abschließt. Prüfungen sind an Standorten in ganz Österreich möglich, zum Studienstart gehört eine Präsenzphase.

Kann ich Jus ohne Matura studieren?

Ja, über die Studienberechtigungsprüfung. Sie ersetzt die Matura für ein bestimmtes Studienfeld und wird über eine Zulassung als außerordentliche:r Studierende:r vorbereitet. Das Aufnahmeverfahren des jeweiligen Studiums gilt danach auch für dich.

Wann beginnt das Jus-Studium und wie oft kann ich mich bewerben?

Der reguläre Start ist das Wintersemester. An der WU war der Studienstart 2026 der 1. Oktober, nach bestandenem Verfahren ist dort auch ein Beginn im folgenden Sommersemester möglich. Die Aufnahmeverfahren beider Wiener Universitäten finden nur einmal pro Studienjahr statt. Wer eine Frist versäumt, kann erst im nächsten Jahrgang antreten.

Was ist der Unterschied zwischen Mag. iur. und LL.B.?

Der Mag. iur. ist der Abschluss des durchgehenden Diplomstudiums Rechtswissenschaften und erfüllt die Studienanforderungen des § 3 RAO für sich allein. Der LL.B. (WU) ist der Bachelorabschluss des WU-Studiums Wirtschaftsrecht, für die klassischen Rechtsberufe braucht er den anschließenden LL.M. Beide sind vollwertige akademische Grade, sie öffnen nur unterschiedliche Türen.

Ist das Jus-Studium schwer?

Ja, das Jus-Studium ist arbeitsintensiv: Der Stoffumfang ist hoch, große Modul- und Fachprüfungen verlangen Vorbereitungsphasen von mehreren Monaten, und die StEOP filtert früh. Nach unserer Einschätzung ist es mit konsequenter Semesterplanung, Lerngruppen und frühem Ernstnehmen der ersten Prüfungen gut zu bewältigen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, einen fairen Rahmen schon.

Kann ich neben dem Jus-Studium arbeiten?

Ja, viele Studierende arbeiten neben dem Jus-Studium, oft schon in Kanzleien oder Rechtsabteilungen, das bringt Praxis und Kontakte. Präsenzpflichten in Übungen und die Dichte der Prüfungsphasen setzen dem Pensum aber Grenzen. Wer stark orts- oder zeitgebunden ist, für den ist das Multimedia-Diplomstudium der JKU die passende Variante.

Kann ich zwischen WU und Juridicum wechseln?

Ja, ein Wechsel ist in beide Richtungen möglich, läuft aber über eine neue Zulassung samt dem jeweiligen Aufnahmeverfahren. Welche Prüfungen anerkannt werden, entscheidet die aufnehmende Universität im Einzelfall. Rechne realistisch mit Zeitverlust und kläre die Anerkennung vor dem Wechsel schriftlich mit dem zuständigen Studienservice.

Wie viele ECTS hat das Jus-Studium?

Das Diplomstudium Rechtswissenschaften umfasst 240 ECTS. An der WU Wien kommen 180 ECTS im Bachelor und 120 ECTS im Master Wirtschaftsrecht zusammen, insgesamt also 300 ECTS bis zum Zugang zu den klassischen Rechtsberufen. Genau die 240-ECTS-Marke ist auch der Maßstab des § 3 RAO.

Was verdienen Jus-Absolvent:innen nach dem Studium?

Als Anhaltspunkt: Absolvent:innen des Wiener Diplomstudiums verdienen drei Jahre nach Abschluss durchschnittlich € 3.139 brutto monatlich, Datenstand 2023. In der Gerichtspraxis direkt nach dem Studium beträgt der Ausbildungsbeitrag € 1.817,60 brutto. Danach hängt das Gehalt stark von Weg, Arbeitgeber und Standort ab, Details liefern unsere Karriere-Ratgeber.

Lerne Kanzleien, Gerichte und Rechtsabteilungen schon während des Studiums persönlich kennen: Die nächsten Termine findest du in unserem Eventkalender.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Studienberatung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte zu Zulassung, Fristen und Zusatzprüfungen erteilen ausschließlich die jeweilige Universität sowie für Fragen des Berufszugangs die zuständige Rechtsanwaltskammer.

Stand: 05.08.2026

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