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Allgemein09.03.20264 Min. Lesezeit

Weltfrauentag: Den Fortschritt feiern und die Zukunft gemeinsam gestalten

Von LawFinder Redaktion · Von Juristen für Juristen

Inhalt

Der Internationale Frauentag ist jedes Jahr ein Moment der Reflexion. Ein Tag, an dem wir innehalten und uns fragen: Wie weit sind wir gekommen – und wo müssen wir noch hin?

In den Wochen rund um den 8. März sieht man viele Beiträge, Kampagnen und Statements. Wertschätzung für Frauen ist wichtig. Doch der Weltfrauentag sollte mehr sein als ein Social-Media-Moment. Er sollte Anlass sein, gemeinsam über Fortschritt, Zusammenarbeit und bessere Rahmenbedingungen nachzudenken.

Denn echte Gleichstellung entsteht nicht durch einzelne Aktionen – sondern durch langfristige Veränderungen.


Ein Blick zurück: Die ersten Frauen im österreichischen Parlament

Vor etwas mehr als hundert Jahren wurde in Österreich Geschichte geschrieben.

Am 16. Februar 1919 konnten Frauen erstmals wählen und sich auch selbst zur Wahl stellen. Das Frauenwahlrecht war erst wenige Wochen zuvor beschlossen worden – am 18. Dezember 1918.

Der Andrang war enorm:
82,1 % der wahlberechtigten Frauen gingen zur Wahl.

Als am 4. März 1919 die Konstituierende Nationalversammlung erstmals zusammentrat, nahmen auch erstmals Frauen im Parlament Platz.

Es waren acht Pionierinnen:

  • Anna Boschek

  • Emmy Freundlich

  • Adelheid Popp

  • Gabriele Proft

  • Therese Schlesinger

  • Amalie Seidel

  • Maria Tusch

  • Hildegard Burjan

Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten. Viele stammten aus einfachen Verhältnissen, waren Arbeiterinnen oder Hausgehilfinnen und hatten sich ihr Wissen über Privatstudien und politisches Engagement angeeignet.

Was sie verband:
Sie wollten Gesellschaft gestalten.

Mutige Stimmen für soziale Verbesserungen

Die ersten Parlamentarierinnen setzten sich für Themen ein, die bis heute zentral sind:

  • bessere Rechte für Hausgehilfinnen

  • den Acht-Stunden-Arbeitstag

  • soziale Absicherung von Frauen und Müttern

  • Arbeitsruhe

  • gesellschaftliche Teilhabe

Adelheid Popp hielt damals die erste Rede einer Frau im österreichischen Parlament.

Maria Tusch schloss viele ihrer Redebeiträge mit einem Satz, der bis heute nachhallt:

Frauen, ihr müsst selbstbewusst sein.

Dieser Satz ist mehr als ein historisches Zitat.
Er ist eine Erinnerung daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt Mut, Engagement und Zusammenarbeit braucht.

Fortschritte sind sichtbar – aber noch nicht selbstverständlich

Heute, mehr als hundert Jahre später, hat sich vieles verbessert.

Frauen sind selbstverständlich Teil von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Recht. In Österreich liegt der Frauenanteil:

  • in der Bundesregierung bei rund 48 %

  • im Nationalrat bei etwa 35 %

Diese Zahlen zeigen Fortschritt.

Gleichzeitig zeigen sie aber auch:
Gleichstellung ist kein abgeschlossener Prozess.

In vielen Bereichen – insbesondere in Führungspositionen – sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert.

Und weltweit gilt laut den Vereinten Nationen weiterhin:

In keinem Land der Welt besteht vollständige rechtliche Gleichstellung zwischen Frauen und Männern.

Gleichstellung braucht mehr als symbolische Worte

Der Weltfrauentag bringt wichtige Themen in den Fokus. Doch nachhaltiger Fortschritt entsteht nicht durch einzelne Kampagnen.

Er entsteht durch Strukturen.

Das bedeutet:

  • faire Rahmenbedingungen im Arbeitsleben

  • Vereinbarkeit von Familie und Karriere

  • transparente Karrierewege

  • gleiche Chancen bei Führungspositionen

  • eine Kultur der Zusammenarbeit statt Konkurrenz

Politik spielt dabei eine zentrale Rolle.
Sie schafft die gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen Chancen entstehen können. Doch auch Organisationen, Unternehmen und Kanzleien tragen Verantwortung.

Mehr Miteinander statt Ellenbogenmentalität

Eine der wichtigsten Veränderungen beginnt jedoch im täglichen Miteinander.

Gleichstellung ist kein Wettbewerb zwischen Geschlechtern.
Und auch kein Wettbewerb zwischen Frauen.

Echte Fortschritte entstehen dort, wo Menschen einander unterstützen statt sich gegenseitig zu blockieren.

Wo Wissen geteilt wird.
Wo Erfolg nicht als begrenzte Ressource gesehen wird.

Oder, wie ein bekannter Gedanke es formuliert:

Den Erfolg anderer zu unterstützen wird den eigenen Erfolg niemals zerstören.

Gerade in anspruchsvollen Branchen wie der Rechtswelt ist Zusammenarbeit entscheidend. Mentoring, gegenseitige Unterstützung und offene Netzwerke können enorme Wirkung entfalten.

Die Verantwortung der nächsten Generation

Ein oft unterschätzter Motor für Veränderung sind die Young Professionals – jene Generation von Juristinnen und Juristen, die heute beginnen Teams zu führen, Projekte verantworten und morgen über Strukturen entscheiden werden.

Diese Generation bewegt sich häufig zwischen zwei Welten:

  • bestehenden hierarchischen Systemen

  • und dem Wunsch nach moderneren Arbeitsmodellen

Sie moderiert, vermittelt und gestaltet Veränderung – oft im Hintergrund.

Deshalb braucht diese Generation Rückhalt, Vertrauen und echte Wertschätzung.

Denn sie wird die Arbeitswelt von morgen prägen.

Gleichstellung ist eine Investition in die Zukunft

Frauenförderung ist kein kurzfristiges Projekt.
Sie ist auch kein Marketinginstrument.

Sie ist eine Investition in eine bessere, gerechtere und leistungsfähigere Gesellschaft.

Diversität bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen.
Sie verbessert Entscheidungen, fördert Innovation und stärkt Organisationen langfristig.

Oder anders gesagt:
Gleichstellung ist nicht nur eine Frage der Fairness – sondern auch eine Frage der Zukunftsfähigkeit.

Was bleibt nach dem Weltfrauentag?

Der 8. März ist ein wichtiges Symbol.

Doch entscheidend ist nicht nur, was am Weltfrauentag gesagt wird, sondern:

  • was im April passiert

  • was im nächsten Budgetgespräch entschieden wird

  • wie Karrieren tatsächlich gestaltet werden

Echte Veränderung entsteht in vielen kleinen Schritten – jeden Tag.

Ein gemeinsamer Weg nach vorne

Die Geschichte der ersten Parlamentarierinnen zeigt:
Fortschritt beginnt mit Mut.

Heute haben wir die Chance, auf diesen Fortschritten aufzubauen.

Mit mehr Zusammenarbeit.
Mit mehr Offenheit.
Mit mehr Menschlichkeit.

Und mit dem gemeinsamen Ziel, eine Arbeitswelt zu gestalten, in der Talente unabhängig vom Geschlecht ihr Potenzial entfalten können.

Der Weltfrauentag erinnert uns daran, wie viel erreicht wurde – und wie viel noch möglich ist.

Wenn wir den Weg gemeinsam gehen.

Was ist der Weltfrauentag?

Der Internationale Weltfrauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen. Er macht weltweit auf Themen wie Gleichstellung, Frauenrechte, faire Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe aufmerksam. Der Tag erinnert außerdem an historische Errungenschaften der Frauenbewegung und zeigt auf, wo weiterhin Verbesserungsbedarf besteht.

Seit wann gibt es den Weltfrauentag?

Der erste Internationale Frauentag wurde 1911 in mehreren europäischen Ländern begangen. Die Idee entstand aus der internationalen Frauenbewegung und aus Forderungen nach politischen Rechten, insbesondere dem Frauenwahlrecht.

Wann erhielten Frauen in Österreich das Wahlrecht?

In Österreich wurde das Frauenwahlrecht am 18. Dezember 1918 beschlossen. Bereits wenige Wochen später, am 16. Februar 1919, konnten Frauen erstmals wählen und sich auch selbst zur Wahl stellen.

Wer waren die ersten Frauen im österreichischen Parlament?

Nach der Wahl im Jahr 1919 zogen acht Frauen in die Konstituierende Nationalversammlung ein: Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel, Maria Tusch und Hildegard Burjan. Sie gelten als Pionierinnen der politischen Teilhabe von Frauen in Österreich.

Welche Themen setzten die ersten Parlamentarierinnen auf die politische Agenda?

Die ersten weiblichen Abgeordneten setzten sich unter anderem für bessere Rechte von Hausgehilfinnen, den Achtstundenarbeitstag, soziale Absicherung für Frauen und Mütter sowie für faire Arbeitsbedingungen ein. Viele dieser Themen prägen arbeits- und sozialpolitische Debatten bis heute.

Wie hoch ist der Frauenanteil in der österreichischen Politik heute?

Heute liegt der Frauenanteil in der österreichischen Bundesregierung bei rund 48 Prozent und im Nationalrat bei etwa 35 Prozent. Diese Zahlen zeigen deutliche Fortschritte, verdeutlichen aber auch, dass vollständige Gleichstellung noch nicht erreicht ist.

Warum ist der Weltfrauentag heute noch wichtig?

Der Weltfrauentag bleibt relevant, weil Gleichstellung weltweit noch nicht vollständig umgesetzt ist. Themen wie gleiche Karrierechancen, faire Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie politische und wirtschaftliche Teilhabe stehen weiterhin im Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen.

Welche Rolle spielen Unternehmen und Organisationen bei der Gleichstellung?

Neben der Politik tragen auch Unternehmen, Kanzleien und Organisationen Verantwortung für Gleichstellung. Durch transparente Karrierewege, faire Beförderungsstrukturen, Mentoringprogramme, flexible Arbeitsmodelle und eine offene Unternehmenskultur können sie dazu beitragen, dass Frauen ihre Potenziale entfalten und gleiche Chancen im Berufsleben erhalten.
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