Zum Inhalt springen
LawFinder
Immobilienrecht01.08.20252 Min. Lesezeit

Umstrittene Wertsicherungsklauseln in langfristigen Mietverträgen doch zulässig (OGH)

Von LawFinder Redaktion · Von Juristen für Juristen

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat am 30. Juli 2025 in einem aktuellen Urteil klargestellt, dass Wertsicherungsklauseln in langfristigen Mietverträgen grundsätzlich zulässig bleiben – und zwar auch dann, wenn sie Mietzinsanpassungen in den ersten zwei Monaten nach Vertragsschluss nicht ausdrücklich ausschließen. Eine Mieterin hatte eine solche Klausel angefochten und die Rückzahlung erhöhter Mieten gefordert, gestützt auf das Konsumentenschutzgesetz (§ 6 Abs 2 Z 4 KSchG). Doch der OGH urteilte: Das Verbraucherschutzgesetz greife bei typischen Dauerschuldverhältnissen wie Mietverträgen nicht, weshalb die Klage abgewiesen wurde.


Klarstellung des Obersten Gerichtshofs zu § 6 Abs 2 Z 4 KSchG

In einem Individualprozess begehrt die klagende Mieterin die Zahlung von zuviel bezahltem Mietzins. Sie machte ua einen Verstoß der Wertsicherungsklausel des Mietvertrags gegen § 6 Abs 2 Z 4 KSchG geltend.

Nach dieser Bestimmung ist eine Klausel unzulässig, wonach dem Unternehmer auf sein Verlangen für seine innerhalb von zwei Monaten nach der Vertragsschließung zu erbringenden Leistung ein höheres als das ursprünglich bestimmte Entgelt zusteht, sofern die Klausel nicht im einzelnen ausgehandelt wurde.

Der Oberste Gerichtshof verneinte einen solchen Anspruch.

In seinem umfassend begründeten Urteil ging der 10. Senat davon aus, dass die erwähnte Norm für Bestandverträge nicht gilt, die darauf angelegt sind, dass die Leistung des Vermieters nicht innerhalb von zwei Monaten nach der Vertragsschließung vollständig zu erbringen ist.

In der Entscheidung wird dieses Ergebnis mit dem Wortlaut und Zweck der Norm, der Entstehungsgeschichte und den Gesetzesmaterialien erklärt. Der in jüngerer Zeit in vereinzelten Entscheidungen über Verbandsklagen (zum Teil nur obiter) vertretenen gegenteiligen (und im Schrifttum kritisierten) Ansicht schloss sich der 10. Senat nicht an.

Quelle: www.ogh.gv.at
OGH | 10 Ob 15/25s | 30.07.2025 | Urteile und Beschlüsse des OGH

Foto von LawFinder Redaktion

LawFinder Redaktion

Von Juristen für Juristen

Im LawFinder Blog berichten wir über Karrierethemen, Recruiting Trends, Rechtsprechung, Gesetzgebung und Veranstaltungen. Weiters werden auch spannende Interviews und Fachbeiträge geboten. Tauche mit uns gemeinsam in die Juristenszene ein und erfahre welche Themen und Trends die Rechtsbranche wirklich bewegen.
Teilen

Nicht öffentlich inseriert

Karriereschritte, die niemand mitliest.

Viele Stellen für Konzipient:innen und auf Partner-Ebene laufen nie öffentlich. Über Talents stellen wir dich diskret und anonym vor, vom ersten Konzipientenjahr bis zum Partner-Level. Du behältst die volle Kontrolle, deine aktuelle Kanzlei erfährt nichts.

Weiterlesen

Die RAP überleben: Was im Prüfungssemester wirklich zählt - und was Mythos ist?
Gastbeitrag

Die RAP überleben: Was im Prüfungssemester wirklich zählt - und was Mythos ist?

Die Rechtsanwaltsprüfung gilt als intensive und fordernde Phase, lässt sich mit guter Planung, realistischen Erwartungen und der richtigen Unterstützung jedoch gut bewältigen. Sandra und Anna berichten, wie wichtig es ist, organisatorische Fragen frühzeitig zu klären, einen …

Redaktion LawFinderca. 2 Min.
Die 5-Jahres-Mindestbefristung – Neue Spielregeln für befristete Mietverträge
Gastbeitrag

Die 5-Jahres-Mindestbefristung – Neue Spielregeln für befristete Mietverträge

Die Mietrechtsreform 2026 bringt mit dem 5. Mietrechtlichen Inflationslinderungsgesetz eine zentrale Änderung im österreichischen Mietrecht: Befristete Wohnungsmietverträge im Voll- oder Teilanwendungsbereich des MRG müssen bei Unternehmer-Vermietern gegenüber Verbrauchern …

Redaktion LawFinderca. 2 Min.

Newsletter

Juristische Insights, frisch ins Postfach.

Einmal im Monat die wichtigsten Beiträge, Events und Karrieretipps für deine juristische Laufbahn in Österreich. Jederzeit kündbar.

Mehr erfahren