Ein Jahr Selbstständigkeit, eine gemeinsame Kanzlei mit dem Ehemann und eine klare Haltung in der Rechtsberatung – Katharina Trachtenberg hat in kurzer Zeit viel bewegt. Im Interview spricht sie über ihren Weg von der Großkanzlei in die unternehmerische Freiheit, über die Vorteile einer partnerschaftlich geführten Kanzlei und darüber, warum klare Worte manchmal mehr helfen als diplomatische Umschreibungen. Ein Gespräch über Mut, Fachkompetenz und die Kunst, sich auch als Anwältin treu zu bleiben.
Ein Jahr Selbstständigkeit liegt hinter Ihnen - welche Erfahrung aus dieser Zeit hat Sie am meisten geprägt?
Das erste Jahr der Selbständigkeit hat mir gezeigt, wie wichtig Selbstorganisation, Disziplin und klare Prioritäten sind. Besonders prägend war für mich die Erfahrung, in wirklich allen Bereichen Verantwortung zu tragen - sei es fachlich, organisatorisch als auch wirtschaftlich. Als Konzipientin in einer Kanzlei kommt man zwar oftmals mit der Honorarabrechnung oder Mandantenakquise in Berührung, aber wie man eine Umsatzsteuervoranmeldung macht, lernt man in der Regel nicht. In der Selbstständigkeit wird einem schnell bewusst, dass man nicht nur Rechtsanwältin, sondern auch Unternehmen ist. Auch wenn dieser Aspekt in der Ausbildung meist zu kurz kommt, eignet man sich die notwendigen Kompetenzen im Laufe der Selbstständigkeit an. Ebenso ist es unerlässlich, sich frühzeitig ein weitreichendes Netzwerk aufzubauen, auf welches man zurückgreifen kann, sollte man einmal nicht weiterwissen.
Gab es einen Moment, in dem Sie gespürt haben: „Genau deshalb war der Schritt in die Selbstständigkeit richtig“?
Ja, diesen Moment gab es tatsächlich. Für mich war es der Moment, als ich gemerkt habe, dass ich Mandant:innen genau so beraten kann, wie ich es für fachlich notwendig und menschlich richtig erachte. Ein Mandant hat mir einmal mitgeteilt, dass er meine bodenständige Art und die Tatsache, dass er von mir eindeutige, ungefilterte Einschätzungen erhält, sehr schätzt, auch dann, wenn die Antwort nicht die erhoffte ist.
Als ich dann noch von den immomedien als Top-Immobilienanwältin ausgezeichnet wurde, war dies die klare Bestätigung, dass die Selbstständigkeit die richtige Entscheidung war.
Sie haben nicht nur geheiratet, sondern auch beruflich mit Ihrem Ehemann und Rechtsanwalt Mag. Peter Trachtenberg zusammengefunden. Was hat Sie beide zur gemeinsamen Kanzleigründung bewogen?
Die Kanzlei wurde vom Vater meines Ehemannes im Jahre 1983 gegründet und später von meinem Mann übernommen. Ich selbst habe meine Ausbildung zunächst in einer Großkanzlei und anschließend in einer kleinen Kanzlei absolviert. Im Sommer letzten Jahres stand ich vor der Entscheidung, ob ich mich nun selbstständig als Anwältin eintragen lasse oder einen anderen Berufsweg einschlage.
Da eine langfristige Zusammenarbeit in meiner Ausbildungskanzlei nicht möglich war, hat mein Mann mich ermutigt, die Chance zu nutzen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Er hat mich daran erinnert, dass ich mir diese langwierige Ausbildung nicht ohne Grund angetan habe und dass ich es zumindestens einmal ausprobieren sollte. Da er zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Unterstützung gesucht hat, hat sich diese Möglichkeit für uns beide perfekt ergeben. Es hat sich dann schnell gezeigt, dass sich unsere Schwerpunkte ideal ergänzen. Mein Mann wickelt keine Immobilientransaktionen ab, die wiederum den Schwerpunkt meiner Tätigkeit bilden. Rückblickend gesehen, hätte ich diesen Schritt wohl viel früher wagen sollen.
Wie ergänzen Sie sich als Partner:innen in der gemeinsamen Kanzlei – fachlich wie menschlich?
Wir ergänzen uns vor allem durch unsere unterschiedlichen Schwerpunkte. Ich bin unter anderem im Bereich des Immobilienrechts sowie allgemeinen Zivilrechts spezialisiert und mein Mann deckt zusätzlich die Bereiche Strafrecht und Verwaltungs(straf-)recht ab. Er hat sich mittlerweile auf die Vertretung von Beteiligten an Verkehrsunfällen spezialisiert. Diese klare Aufteilung ermöglicht es uns, Mandant:innen in komplexen Situationen besonders zielgerichtet zu beraten.
Ich schätze den gegenseitigen Austausch zu Fällen sehr, weil dabei häufig Lösungsansätze entstehen, auf die man alleine wahrscheinlich nicht so schnell gekommen wäre.
Menschlich verbindet uns gegenseitiger Respekt und ein hohes Maß an Vertrauen. Wir teilen denselben hohen Qualitätsanspruch an unsere Arbeit, die sowohl unsere private als auch berufliche Partnerschaft prägt. Ein Vorteil für unsere Mandant:innen ist, dass sie selbst dann bestens vertreten sind, wenn einer von uns krankheitsbedingt verhindert sein sollte.
Wir sind der Ansicht, dass eine Rechtsanwaltskanzlei, die von einem Ehepaar geführt wird, bei Mandant:innen zusätzliches Vertrauen schafft. Mandanten haben uns auch schon mitgeteilt, dass sie es schätzen, dass wir nicht nur privat, sondern auch beruflich ein eingespieltes Team sind und sich dadurch hervorragend aufgehoben fühlen.
Wohin möchten Sie Ihre Kanzlei in den nächsten fünf Jahren entwickeln – fachlich und unternehmerisch?
Mein Mann und ich decken unterschiedliche Rechtsgebiete ab, möchten uns jedoch fachlich bewusst auf ausgewählte Rechtsbereiche konzentrieren. Auch wenn wir wachsen wollen, ist es uns wichtig, eine kleine, überschaubare Struktur zu bleiben, da uns die persönliche und individuelle Betreuung unserer Mandant:innen sehr wichtig ist.
Durch unsere gemeinsame Kanzlei ergeben sich in unseren jeweiligen Rechtsgebieten immer wieder Berührungspunkte, die den fachlichen Austausch sehr bereichern. Gleichzeitig merken wir, dass insbesondere das Erb- und Familienrecht eng mit dem Immobilienrecht verknüpft ist. Daher möchten wir diesen Bereich künftig gezielt weiter ausbauen.
Welchen Rat würden Sie Frauen in der Rechtsbranche geben, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?
Mein Tipp an alle, die überlegen sich selbstständig zu machen: Traut euch.
Im Austausch mit Kolleginnen, die nicht selbstständig sind, höre ich oft, dass sie meinen Schritt bewundern, sich ihn aber selbst nicht zutrauen würden. Viele Frauen suchen Sicherheit und zögern deshalb, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.
Meiner Ansicht nach bietet die Selbstständigkeit jedoch, zumindestens in einem gewissen Rahmen, insbesondere was Verhandlungen betrifft, eine enorme Flexibilität. Man kann sich die Arbeitszeiten, Mandate und die eigene berufliche Entwicklung viel stärker selbst gestalten. Für mich zählt dies zu den größten Vorteilen dieser Berufsausübung, die man nicht unterschätzen sollte.
Vielen Dank für Ihren persönlichen und wertstiftenden Erfahrungsbericht. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und Freude.
Steckbrief: Persönliche Fragen an Katharina Trachtenberg
Wofür stehen Sie als Rechtsanwältin?
Ich stehe für klare, ehrliche und authentische Beratung. Ich sage meinen Mandant:innen offen, wie ich eine Situation einschätze. Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen, woran sie bei mir sind. Ich nehme mir die Zeit, zuzuhören, die Hintergründe zu verstehen und anschließend eine Empfehlung oder die möglichen Lösungswege aufzuzeigen.
Größte Mythos in der Rechtsbranche?
Ein großer Mythos ist, dass Rechtsanwält:innen immer nur streiten wollen. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Unser Ziel ist es, Konflikte oder Rechtsstreitigkeiten möglichst zu vermeiden. Gerade im Bereich der Vertragsgestaltung lassen sich potenzielle Streitigkeiten bereits im Vorfeld durch eindeutig formulierte und rechtlich sauber strukturierte Verträge vermeiden.
Wo und wie tanken Sie Energie?
Ich tanke Energie vor allem durch kurze Auszeiten, entweder Bewegung an der frischen Luft oder eine Kaffeepause mit meinem Mann in der Kanzlei.
