Zwischen Wien, New York und Selbstständigkeit: Mag. Cathrine Bondi de Antoni, LL.M. über internationale Rechtsberatung, Resilienz und den Mut zum eigenen Weg
Mag. Cathrine Bondi de Antoni, LL.M. wusste früh, dass sie Juristin werden möchte – auch wenn der Weg dorthin einige überraschende Wendungen bereithielt. Von ersten Kanzleierfahrungen in Wien über ein prägendes Praktikum in New York bis hin zum Studium an der UCLA und der Zulassung zum Bar Exam: Ihr Karriereweg ist international, ambitioniert und zugleich sehr persönlich geprägt.
Heute ist sie Gründerin von BDA Law und berät unter anderem in den Bereichen Datenschutz, Compliance, Konfliktlösung sowie zur Expansion österreichischer Unternehmen in die USA. Im Interview mit LawFinder spricht sie über die Unterschiede zwischen österreichischer und US-amerikanischer Rechtskultur, über Selbstzweifel beim Schritt in die Selbstständigkeit, die Bedeutung von Mentor:innen – und darüber, warum Resilienz für junge Jurist:innen oft genauso wichtig ist wie fachliche Exzellenz.
Frau Mag. Bondi de Antoni, was hat Sie ursprünglich zur Juristerei gebracht – und wann war Ihnen klar, dass Sie diesen Karriereweg einschlagen möchten?
Ich wusste schon recht früh, dass ich Jus studieren und Anwältin werden möchte, obwohl ich damals keine Ahnung hatte, was das genau bedeutet. Wirklich für den Beruf begeistert habe ich mich final während meiner Zeit als studentische und dann juristische Mitarbeiterin bei PHH in Wien. Ursprünglich wollte ich immer Scheidungsanwältin werden – nachdem ich auch nur Auszüge davon in der Praxis mitbekommen habe, hat sich dieser Wunsch allerdings sehr schnell wieder in Luft aufgelöst.
Ihr Weg führte Sie von Wien nach New York und wieder zurück – was hat Sie an der internationalen Rechtsberatung besonders gereizt?
Ich durfte bereits mit 16 Jahren mein erstes Praktikum in einer renommierten Kanzlei in New York machen. Das hat sich damals über einen Kontakt, den ich in einer Wiener Kanzlei im Rahmen der berufspraktischen Tage meiner Schule geknüpft habe, ergeben. Die Kanzlei war auf Insolvenzrecht spezialisiert und ich durfte zu einer der ersten Madoff-Verhandlungen in New York mitkommen. Zu sehen, wie die Wiener Kanzlei und die New Yorker Kanzlei Hand in Hand arbeiten und welche Überschneidungen es in der Arbeit international gibt, hat mich damals schon fasziniert und in mir die Motivation entfacht, einen ähnlichen Weg einzuschlagen.
Sie haben an renommierten Institutionen wie dem Juridicum Wien und der UCLA studiert. Was waren für Sie persönlich die prägendsten Erfahrungen während Ihrer Ausbildung?
Zu erleben, dass mit der notwendigen Motivation alles möglich ist und auch noch so groß gesteckte Ziele realisiert werden können, wenn man konsequent einen Schritt nach dem anderen setzt. Das Studium am Juridicum zu schaffen erfordert Durchhaltevermögen. Dennoch erschien mir die Aufnahme an einer US-Universität und die darauffolgende Absolvierung des Bar-Exams in New York als unüberwindbare Hürde. Ich habe das Gefühl, dass viele US-Universitäten den Eindruck vermitteln wollen, dass sie die Eliteschmieden schlechthin sind und jede Person, die einen Abschluss einer US-Universität hat und dann auch noch das Bar Exam besteht, zu einem sehr elitären und auserwählten Kreis gehört. Mein Eindruck war allerdings viel mehr, dass die Eintrittshürden in den USA höher sind als bei uns, das Studium an sich allerdings nicht schwerer oder fordernder als ein Studium an einer öffentlichen Universität wie dem Juridicum. Demnach war es für mich sehr prägend zu sehen, dass auch in den USA am Ende des Tages nur mit Wasser gekocht wird.
Wie hat sich Ihr Auslandssemester in Paris auf Ihre Perspektive auf das Recht und Ihre beruflichen Ziele ausgewirkt?
Mein Auslandssemester in Paris war mein erster, echter Berührungspunkt mit internationalem Recht und dem Leben im Ausland. Die Arbeit in einem fremden akademischen Umfeld, kombiniert mit der täglichen Nutzung einer anderen Sprache, hat meine interkulturelle Kompetenz und Selbstständigkeit gestärkt. Beruflich hat mich diese Erfahrung darin bestärkt, eine international ausgerichtete Laufbahn anzustreben.
Welche Fähigkeiten oder Denkweisen haben Sie sich während Ihrer Zeit in der Kanzlei in New York angeeignet, die Sie heute noch bewusst einsetzen?
Anpassungsfähigkeit und interkulturelles Fingerspitzengefühl. Ich habe in den USA mit Menschen mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen sowohl beruflich als auch privat zu tun gehabt und die diversen Unterschiede und Feinheiten relativ schnell erlenen müssen. Ein großer Vorteil war die Offenheit der in New York lebendenden Menschen, welche aus der ganzen Welt zum Arbeiten nach New York kommen, ihre Kultur zu teilen und auch voneinander zu lernen. Dies hat mich nachhaltig positiv geprägt und kommt mir nicht nur im juristischen Alltag zugute.
Was hat Sie dazu bewegt, sich auf Datenschutz, Compliance und Konfliktlösung zu spezialisieren – drei Themenbereiche, die in der Praxis oft sehr unterschiedlich sind?
Im Zuge meiner Konzipientenzeit hatte ich die Möglichkeit, in verschiedenen Teams tätig zu werden. Demnach durfte ich verschiedene Rechtsbereiche in der Praxis erleben und mir ein detailliertes Bild über die verschiedenen Praxisbereiche machen. Obwohl ich im Corporate Law begonnen habe und auch internationale M&A Transaktionen begleiten durften, habe ich meine finale Passion im streitigen Zivilrecht gefunden. Als 2018 die DSGVO unmittelbar anwendbar wurde und Unternehmen sich den Anforderungen des Datenschutzes stellen musste, hatte ich die Möglichkeit, als Konzipientin das Datenschutzteam bei PHH mitaufzubauen, wobei mir diese Leidenschaft auch geblieben ist.
Sie beraten auch zur Expansion in die USA – welche rechtlichen Hürden unterschätzen österreichische Unternehmen dabei am häufigsten?
Die Gründung einer Gesellschaft in den USA ist im Vergleich zu Österreich sehr einfach, allerdings wird oft unterschätzt, wie mühsam zusätzliche Faktoren wie Visa für europäische Fachkräfte oder der Markteintritt an sich sind. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind oft sehr unterschiedlich zu jenen in Europa, sei es bei Produktsicherheit oder wiederum Datenschutz. Ein großer Vorteil hingegen ist, dass die USA ein sehr großer, relativ homogener Markt sind.
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele Jurist:innen ein großer Meilenstein. Was hat Sie motiviert, Ihre eigene Kanzlei BDA Law zu gründen – und was war die größte Herausforderung in dieser Phase?
Ich habe schon während meiner Studienzeit mit Kolleg:innen immer davon geträumt, dass wir eines Tages eine eigene Kanzlei gründen werden. Nach meiner Rückkehr aus den USA, getrieben von einer leichten Sinnkrise, wo die Reise als nächstes hingehen soll, aber zeitgleich motiviert von meiner Kollegin und Mentorin Daniela Leitner hat sich der Schritt in die Selbstständigkeit auf einmal sehr richtig und der Moment passend angefühlt. Abgesehen von den organisatorischen Fragen und den ganzen technischen Tücken, war die größte Herausforderung sicher die Selbstzweifel, ob ich das alles alleine schaffe – von der Frage, wie ich mir einen Mandantenstamm aufbaue bis zur Positionierung am Markt. Und auch hier hat sich einmal mehr gezeigt, dass man nur so stark ist wie das eigene Team und das Netzwerk, das einen unterstützt. Als ich im Sommer 2025 die Zusammenarbeit mit meiner Kooperationspartnerin Isolde Klinger von Klinger Partner Legal aufgenommen habe, habe ich auch eine Ansprechperson für die täglichen kleinen Zweifel und Tücken der Selbstständigkeit gefunden.
Welche Führungsprinzipien oder Werte prägen Ihre Arbeit als Kanzleiinhaberin?
Respekt, offene Kommunikation und Freude an der Arbeit und an dem Miteinander.
Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Rechtskultur in den USA von der in Österreich – nicht nur juristisch, sondern auch menschlich? ´
Juristisch könnte das Vorgehen gerade im zivilrechtlichen, streitigen Verfahren nicht unterschiedlicher sein – Discovery, Offenlegung von Beweisen und auch die Einvernahme von Zeugen, wird zwischen den Anwälten und Parteien vereinbart, bevor es zu einer Hauptverhandlung vor Gericht kommt. Allgemein sind viele Verfahren wesentlich formalistischer als in Österreich. Bis heute wundert es mich, dass viele US-Gerichte nach wie vor kein E-Filing (vergleichbar mit dem WEB-ERV haben) nutzen, sondern Eingaben in Papierform erfolgen. Fachlich sind die Anforderungen an die Juristinnen sicher vergleichbar. Menschlich wird in Österreich, gerade auch bei Terminen oder im Umgang mit Mandant:innen, das Zwischenmenschliche noch mehr hervorgehoben. Die Arbeitskultur in den USA würde ich als sehr leistungsorientiert bezeichnen, wobei gerade die ständige Verfügbarkeit noch mehr als bei uns als Stärke angesehen wird.
Sie haben sowohl in großen Wirtschaftskanzleien als auch in Boutique-Kanzleien gearbeitet. Wo liegen für Sie die größten Unterschiede – insbesondere in der Zusammenarbeit mit Mandant:innen?
Ich hatte das große Glück, von Anfang an auch während meines ersten Konzipienten-Jahres direkt mit Mandanten arbeiten zu dürfen und nicht nur im Hintergrund abzuarbeiten. Ich denke, dass Mandant:innen eine Boutique-Kanzlei aufsuchen, weil sie engmaschiger von einer bestimmten Person betreut werden wollen. In Großkanzleien ist oft ein Team aus 10, 15 Personen für einen bestimmten Themenbereich zuständig und Ansprechpartner:innen wechseln schneller als in kleineren Strukturen. Das ist denke ich einfach eine Präferenzfrage und auch mandatsabhängig, was gewünscht und gebraucht wird.
Der Beruf der Rechtsanwältin gilt als fordernd. Wie schaffen Sie es, in einem anspruchsvollen Umfeld langfristig motiviert und fokussiert zu bleiben?
Mittlerweile schaffe ich das besser als früher. Ich hatte Phasen, in denen ich mein Privatleben derart vernachlässigt habe, dass dies auch zu einem Motivationsverlust in der Arbeit geführt hat. Heute versuche ich aktiv Pausen einzuplanen – und in diesen auch nicht erreichbar zu sein. Auch wenn es nur die eine Stunde Sport am Tag ist, ein langer Spaziergang mit meiner Hündin, bei dem das Handy zu Hause bleibt, oder ein gutes, ungestörtes Abendessen mit Freund:innen.
Welche drei Tipps würden Sie jungen Jurist:innen mit auf den Weg geben, die eine internationale Karriere anstreben?
Glaub an dich und deinen Weg – viel Kritik basiert auf Missgunst und Neid anderer, denen selbst der Mut fehlt, neue Wege zu probieren oder einzuschlagen.
Such dir eine Mentorin oder einen Mentor, die/der an dich glaubt bzw. eine Person, die einen ähnlichen Weg gegangen ist.
Hinfallen gehört dazu – solange man wieder aufsteht. Nicht jedes Scheitern, mag es noch so monumental wirken, ist ein Versagen, es ist am Ende des Tages eine Möglichkeit, den eingeschlagenen Kurs zu korrigieren.
Wie sehen Sie die Zukunft der Rechtsberatung in den Bereichen Datenschutz und Compliance – was wird sich Ihrer Meinung nach grundlegend verändern?
Im Gespräch mit Mandant:innen erfahre ich oft eine gewisse Verdrossenheit in Bezug auf die beiden Themen – es entsteht oft das Gefühl, dass eine Überregulierung erfolgt, die gerade von kleineren Unternehmen nur schwer erfüllt werden kann. Die nächsten wesentlichen Regulierungsakte kommen gerade in großen Schritten in Form von EU-AI-Act, CRA, NIS-2, etc. auf uns zu. Ich denke, dass es hier auf europäischer Ebene ein Umdenken geben muss, um Überregulierung zu verhindern und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wenn Sie heute auf Ihre bisherige Laufbahn zurückblicken: Was hätten Sie gerne schon am Anfang gewusst?
Welche Möglichkeiten es gibt, im rechtlichen Bereich zu arbeiten. Die Juristerei ist ein so breit gefächertes Feld – von der klassischen Kanzleiarbeit über die Arbeit in der Diplomatie oder internationalen Organisationen bis hin zu In-House-Tätigkeiten gibt es so viele Möglichkeiten, das Studium zu nutzen. Auch wenn ich mich immer wieder für die Arbeit in der Kanzlei entscheiden würde. Und wie viel Kaffee notwendig ist, um den Job in Hochphasen zu überstehen.
Vielen Dank, Frau Mag. Bondi de Antoni, für die spannenden Einblicke in Ihren internationalen Karriereweg, Ihre Erfahrungen zwischen Wien und New York sowie Ihre offenen Worte über Selbstständigkeit, Resilienz und die Zukunft der Rechtsberatung.
Steckbrief: Persönliche Fragen an Cathrine Bondi de Antoni
Mein erster Gedanken, wenn ich morgens in die Kanzlei komme: Wie ich meinen Tag am besten strukturiere und wie ich kleine Pausen einplanen kann, um lange fokussiert zu bleiben (wobei sich auch der beste Plan meistens im Laufe des Tages in Luft auflöst)
Wo und wie tanken Sie Energie?
Beim Sport und bei gemütlichen Abendessen mit Freund:innen
Welche App ist für Sie unverzichtbar?
WhatsApp
Eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle:
Was ist der nächste Schritt und wie kann ich mich täglich sowohl beruflich als auch menschlich weiterentwickeln.
Was ist Ihre größte Stärke?
Resilienz.
