Zehn Jahre Selbstständigkeit, ein klarer Wertekompass und der Mut, neue Wege zu gehen: Frau Schuhmeister hat ihre Kanzlei nicht nur erfolgreich aufgebaut, sondern konsequent weiterentwickelt, fachlich, unternehmerisch und persönlich. Während sich die Anwaltsbranche im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und steigenden Anforderungen rasant verändert, setzt sie auf Authentizität, Selbstbestimmung und innovative Modelle wie Value Pricing.
Im Interview spricht sie über ihren Weg von der Juristin zur Unternehmerin, über Zweifel und Visionen, über moderne Arbeitskultur in der Kanzlei und darüber, warum es oft wichtiger ist, ins Tun zu kommen, als zu lange in der Theorie zu verharren.
Frau Schuhmeister, Sie feiern dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum Ihrer Kanzlei – herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie zurückblicken: Was waren die größten Herausforderungen auf diesem Weg – und welche Learnings haben Sie besonders geprägt?
Vielen Dank für die Glückwünsche. Es waren Jahre mit vielen Learnings und Herausforderungen, vor allem hinsichtlich der Schnelllebigkeit der Zeit. Es ist mittlerweile als Anwältin und Unternehmerin notwendig, sich ständig und schnelles als früher weiterzuentwickeln, sich mit KI-Tools und Mindet-Weiterentwicklungen auseinanderzusetzen.
Wollten Sie schon immer Rechtsanwältin werden oder hatten Sie auch andere Berufsziele?
Als Teenagerin wollte ich gerne Tierärztin werden, da ich Tiere seit jeher teilweise mehr zu schätzen weiß, als manche Menschen. Außerdem bin ich begeisterte Sängerin und habe kurz auch diesen Karriereweg angedacht, die Musik zählt nun mehr zu einer meiner wertvollen Freizeitbeschäftigungen.
Hatten Sie zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit eine klare Vision davon, wie Ihre Kanzlei heute aussehen sollte? Oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?
Ich hatte de facto keine Ahnung und keinen Plan wohin der Weg gehen sollte. Insbesondere die Veränderungen von einer Anwältin zu einer Unternehmerin haben mir in den letzten Jahren geholfen, eine Vision zu entwickeln und zu verinnerlichen.
Inwiefern hat sich die Anwaltsbranche in den letzten zehn Jahren verändert – und was bedeutet das konkret für Ihre Arbeit? Welche sind aktuell für Sie die interessantesten Beratungsfelder?
Die Anwaltsbranche befindet sich mitten in einem Umbruch. Die künstliche Intelligenz ist auch in dieser Branche nicht mehr wegzudenken und gekommen um zu bleiben, das macht es für mich als Unternehmerin erforderlich den Blick immer in der Zukunft zu haben und die Weiterentwicklung meines Unternehmens voranzubringen.
Für mich ist das Erbrecht seit Jahren ein fixer Bestandteil meiner anwaltlichen Beratung und Begleitung. Familien in erbrechtlichen Themen sowohl zu Lebzeiten als auch nach einem Todesfall begleiten zu dürfen ist meine Leidenschaft.
Sie führen heute ein eigenes Team. Welche Werte sind Ihnen in der Zusammenarbeit besonders wichtig?
Der wichtigste Wert in meinem Unternehmen ist seit jeher die Selbstbestimmung. Ich möchte, dass jeder seinen Weg geht und sich weiterentwickelt. Begeisterung, Erfolg und Authentizität spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle.
Warum sollte sich eine Berufseinsteiger:innen oder erfahrener Kollege:innen ausgerechnet für Ihre Kanzlei entscheiden? Was unterscheidet Sie von anderen Arbeitgebern in der Branche?
Weil wir leiwand sind 😊
Viele meiner Angestellten sagen über mich, dass ich keine „typische“ Anwältin bin. Ich bin nicht nur andersdenkend sondern durch mein authentisches Auftreten einfach echt, ohne jegliche Anwaltsmaske.
Haben Sie aktuell offene Stellen zu besetzen?
Ich bin immer interessiert daran neue Leute kennenzulernen und freue mich immer über Bewerbungen. Denn ich weiß nie, wann mir ein toller Typ Mensch über den Weg läuft, mit dem ich gerne zusammen etwas verändern möchte.
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Die 40-Stunden-Woche gilt in der Anwaltei oft als illusorisch. Wie stehen Sie dazu? Ist „Work-Life-Balance“ in Ihrer Kanzlei realistisch möglich?
Absolut. Ich halte nichts davon Menschen ausbrennen zu sehen. Ich möchte, dass jeder mit Leidenschaft und Motivation arbeitet und das ist an einem Tag nach 10 Stunden durchpowern wohl nicht mehr möglich.
Gab es in Ihrer Laufbahn Momente, in denen Sie an Ihrer Entscheidung gezweifelt haben – und wie sind Sie damit umgegangen?
Es gibt regelmäßig Momente, wo ich reflektiere und auch gewisse unternehmerische Entscheidungen hinterfrage. Allerdings habe ich eine klare Vision, wo mein Weg und der meines Unternehmens hingehen soll, weshalb mir das hilft immer am Ball zu bleiben.
Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich – frisch nach der Uni – heute raten?
„Denk nicht soviel nach, sondern mach einfach.“
Zu viel in der Theorie bleiben und zu viel nachdenken bringt einen einfach nicht weiter, es ist wichtig auch ins Tun zu kommen.
Und zum Abschluss: Was sind Ihre nächsten Ziele – persönlich wie unternehmerisch?
Unternehmerisch steht ganz klar Wachstum und Innovation an.
Insbesondere habe ich seit 2026 den Schritt gewagt, nicht mehr nach Stunden abzurechnen, sondern den Mandanten durch maßgeschneiderte Paketangebote eine transparente Möglichkeit der Abrechnung mittels Value-Pricing zu bieten.
Persönlich freue ich mich auf meine nächsten Reisen, wo mehrmals im Jahr tolle Urlaube anstehen um mehr von der Welt kennenlernen zu dürfen.
Vielen Dank für die spannenden Insights und weiterhin viel Erfolg und auch Freude.
Persönlicher Stechbrief: Fragen an Kathrin Schuhmeister
Wo und wie tanken Sie Energie?
Beim Sport, beim Klavierspielen oder beim Zeitverbringen mit meinem Mann.
Welche App ist für Sie unverzichtbar?
Sämtliche Messanger (WhatsApp, Telegram, Signal etc). Ohne diese könnte ich nicht auskommen.
Für welche Themen lassen Sie sich abseits der Juristerei begeistern?
Musik, Kraftsport und Reisen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Die 1 % Methode von James Clear.
Ihr Lebensmotto?
Ich lebe selbstbestimmt und begeistere mit Authentizität.
