Ella Peric zählt zu jenen jungen Jurist:innen, die man in der österreichischen Rechtsbranche im Blick behalten sollte. Das aktuelle TREND Anwaltsranking hat sie als eine der vielversprechendsten Nachwuchsjurist:innen ausgezeichnet. Im Interview erzählt die Rechtsanwältin bei Jank Weiler Operenyi Rechtsanwälte | Deloitte Legal, warum ihr Weg in die Anwaltei kein vorgezeichneter Kindheitstraum war, wie sie Schritt für Schritt in die Rechtsberatung hineingewachsen ist und weshalb Eigeninitiative, Perspektivenwechsel und ein starkes Netzwerk für junge Jurist:innen entscheidend sind. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Angelobung, die Arbeit in einer internationalen und multidisziplinären Organisation sowie die Chancen, die Digitalisierung und Legal Tech für Berufseinsteiger:innen eröffnen.
Ella, das TREND Anwaltsranking hat dich gerade als eine der vielversprechendsten Nachwuchsjurist:innen ausgezeichnet – eine große Auszeichnung, aber beginnen wir von vorne. Wenn du auf deinen bisherigen Karriereweg blickst: Wann oder warum hast du dich für eine Karriere in der Rechtsberatung entschieden? Gab es einen besonderen Moment?
Ehrlich gesagt, war die Anwaltei nie mein großer Kindheitstraum – den einen perfekten Masterplan gab es bei mir also nicht. Der erste „Impuls“ zum Jus-Studium kam tatsächlich von meinem damaligen Lateinlehrer, der in meiner Diskussionsfreude wohl juristisches Potenzial sah. Daraufhin habe ich mich mit dem Studienplan und den Jobmöglichkeiten auseinandergesetzt. Nachdem ich damals auch super gerne „Lenßen und Partner“ geschaut habe (falls die Serie noch jemand kennt), dachte ich mir, ich probiere es einfach mal.
Die eigentliche Begeisterung kam dann durch die Arbeit in Kanzleien, auch bereits während des Studiums, wenn man merkt, dass man für „echte“ Probleme Lösungen finden muss und sich jene Fall-Konstellationen, die man von der FÜM 2 beispielsweise kennt, auch in der Realität so abspielen. Rückblickend war es also vielleicht kein klassischer Kindheitstraum – aber definitiv ein Beruf, in den ich Schritt für Schritt sehr bewusst hineinwachsen wollte und auch hineingewachsen bin.
Letzten Herbst wurdest du als Rechtsanwältin angelobt. Das ist ein Meilenstein – was hat sich für dich fachlich und persönlich dadurch verändert?
Die Angelobung ist definitiv ein besonderer Tag, auf den man in Österreich ja auch wirklich lange hinarbeitet.
Fachlich war der Übergang für mich persönlich erstaunlich fließend. Ich hatte das große Glück, dass man mir schon als Konzipientin in der Kanzlei extrem früh Vertrauen geschenkt und viel Verantwortung übertragen hat. Ich wurde gefordert und gefördert und durfte früh eigenständig Mandantenkontakt haben. Deshalb hat sich an meinem eigentlichen Arbeitsalltag gar nicht so viel geändert.
Persönlich war es ein enormer Schub für das Selbstvertrauen, mit dem ich so gar nicht gerechnet hätte. Man blickt mit etwas mehr Gelassenheit auf Herausforderungen, weil man nach all den Prüfungen und der langen Ausbildungszeit (mehr) Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelt.
Was unterscheidet aus deiner Sicht die Entwicklungsmöglichkeiten in einer internationalen Organisation wie Deloitte Legal von klassischen Kanzleistrukturen?
Der größte Unterschied liegt im multidisziplinären Arbeiten. Wir bei Deloitte Legal arbeiten extrem eng mit unseren Kolleg:innen aus der Steuerberatung, dem Consulting oder Financial Advisory zusammen. Dadurch lernt man schnell, Probleme nicht isoliert durch eine rein rechtliche Brille zu betrachten. Für die Mandanten bedeutet das ganzheitliche Lösungen aus einer Hand.
Für uns intern – gerade bei komplexen Transaktionen – ist dieser direkte, unkomplizierte Draht zu Expert:innen anderer Fachbereiche ein großer Benefit. Man entwickelt rasch ein tiefes Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge.
Auch persönlich bieten sich dabei einige Vorteile. Insbesondere das Netzwerken wird durch diverse (auch internationale) Veranstaltung gefördert und erleichtert. Ich hatte beispielsweise das Privileg, eine Woche in dem Deloitte Legal Office in Paris zu arbeiten und habe dort Kolleg:innen aus aller Welt getroffen.
Welche persönlichen Eigenschaften haben dir besonders geholfen, dich in einem kompetitiven Umfeld wie der Rechtsbranche zu behaupten?
Rein fachlicher Ehrgeiz bringt einen in der Karriere ab einem gewissen Punkt alleine nicht mehr weiter. Für mich sind es vor allem die Soft Skills, die den Unterschied machen und insbesondere für eine starke Mandantenbeziehung äußerst wichtig sind. Ganz entscheidend ist dabei aus meiner Sicht die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Man muss in der Lage sein, sich in die Denkweise der Mandanten, aber auch der Gegenseite zu versetzen. Wenn man versteht, was der tatsächliche Antrieb und die Motivation der Beteiligten sind (auch abgesehen davon, was offen preisgegeben wird), kann man wesentlich strategischer und lösungsorientierter vorgehen und beraten.
Genauso wichtig ist aus meiner Sicht, proaktiv Verantwortung zu übernehmen. Mein Anspruch war es nie, bloß eine To-Do-Liste abzuarbeiten oder auf Anweisungen meiner Vorgesetzten zu warten. Man muss einen Schritt vorausdenken, selbst anpacken und mitgestalten. Ich glaube, genau diese Kombination aus Empathie und Eigeninitiative hebt einen in einem kompetitiven Umfeld ab.
Welche Trends siehst du aktuell in der Rechtsberatung – und welche Chancen ergeben sich daraus für Berufseinsteiger:innen?
Ganz klar die Digitalisierung und die Entwicklung verschiedener Legal Tech Tools sowie deren „Einzug“ in den Kanzleialltag. Routineaufgaben werden automatisiert, was uns Anwält:innen mehr Zeit für die wirklich spannende und auch strategische Beratung gibt, auf die Mandant:innen immer mehr Wert legen. Für Konzipient:innen bedeutet das: wer digital affin ist und sich mit diesen Tools auskennt, hat einen klaren Vorteil. Ich denke, dass sich der Fokus vermehrt von reiner „Fleißarbeit“ hin zu strategischem Mitdenken verschieben wird.
Viele junge Jurist:innen fragen sich, wie sie früh Verantwortung übernehmen können: Was war dein persönlicher „Karrierebeschleuniger“?
Mein „Karrierebeschleuniger“ war wahrscheinlich die Kombination aus Eigeninitiative und dem Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Ich habe früh versucht, nicht nur Aufgaben abzuarbeiten, sondern mitzudenken, proaktiv Vorschläge zu machen und damit direkt auf meine Vorgesetzten zuzugehen. Man darf sich selbst nicht als Abarbeiter:in, sondern als Teil des Teams sehen, der zum gemeinsamen Erfolg beitragen will und kann. Wichtig ist auch Mut zu haben, eine fundierte eigene Meinung zu vertreten – und dem Vorgesetzten auch mal (konstruktiv) zu widersprechen, wenn man etwas anders einschätzt.
Gleichzeitig hatte ich das Glück, auf Vorgesetzte zu treffen, die das auch gesehen, geschätzt und gefördert haben. Es ist unglaublich wichtig, ein Umfeld zu finden, das diesen Einsatz auch sieht und wertschätzt. Daher Augen auf bei der Wahl des Arbeitgebers.
Und ebenso wichtig: Unterschätzt niemals den Faktor „Netzwerk“. Beginnt so früh wie möglich damit, euch sowohl kanzleiintern als auch extern ein starkes Netzwerk aufzubauen.
Wenn du heute noch einmal am Anfang deiner Karriere stehen würdest: Was würdest du genauso machen, was anders?
Meinen Weg bei Deloitte Legal würde ich definitiv genauso wieder gehen – hier so „hineinzuwachsen“ war für mich perfekt. Was ich vielleicht anders machen würde: Mir am Anfang etwas weniger Stress machen. Man neigt dazu, alles perfekt machen zu wollen und sich über jeden kleinen Fehler zu ärgern. Mit der Zeit lernt man, dass Fehler zum Lernprozess dazugehören und dass es wichtiger ist, pragmatische Lösungen zu finden, als sich in Details zu verlieren. Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte mir damals sicher gutgetan.
Steckbrief: Persönliche Fragen an Ella Peric
Wo und wie tankst du Energie?
Bei einem netten Abendessen mit Freunden.
Welche App ist für dich unverzichtbar?
Spotify.
Was ist deine größte Stärke?
Mein Organisationstalent.
Mein erster Gedanken, wenn ich morgens in die Kanzlei komme …
Hoffentlich sind die Kolleg:innen aus meinem Stock noch nicht mit ihrem Kaffee fertig 😉
