Der Einstieg in die Konzipientenzeit ist für viele der erste echte Perspektivwechsel: weg vom sauber aufbereiteten Uni-Fall, hin zu komplexen Mandaten, echten wirtschaftlichen Zusammenhängen und Verantwortung im Team. Doch was überrascht junge Jurist:innen dabei am meisten?
Im Gastbeitrag von E+H geben Simon Lehner, Daniel Lutzky und Thomas Waniek persönliche Einblicke in ihre ersten Erfahrungen als Konzipienten. Sie erzählen, welche Erwartungen sich erfüllt haben, was sie unterschätzt haben und warum juristische Arbeit in der Praxis weit mehr bedeutet als Gesetzestexte, Recherche und Schriftsätze. Ein Gespräch über Verantwortung, Teamgeist, internationale Mandate – und jene Dinge, die man am liebsten schon vor dem Start gewusst hätte.
Simon, Daniel, Thomas – danke, dass Ihr euch Zeit nehmt. "3 Dinge, die ich gerne vor dem Start meiner Konzi-Zeit gewusst hätte" – was fällt euch hierzu ein?
Simon: Da fällt mir doch gleich einiges ein und auf. So zum Beispiel die Unterschiede zwischen Uni und Praxis. An der Uni bekommt man meist einen fertig aufbereiteten Sachverhalt und analysiert die Rechtslage. Die Fakten sind eindeutig und vollständig. In der Praxis – besonders im Bereich Dispute Resolution – ist es aber oft genau umgekehrt: Unsere eigentliche Herausforderung besteht häufig darin, den Sachverhalt überhaupt erst zu rekonstruieren.
Daniel: Das ist eine Dimension der Arbeit, die man von außen kaum sieht und sich auch von der Ausgangsituation bei uns im M&A unterscheidet. Macht dieser Teil bei euch einen wesentlichen Teil des Alltags aus?
Simon: Definitiv. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht darin, gemeinsam mit Mandant:innen vergangene Abläufe aufzuarbeiten: Welche Gespräche wurden geführt? Welche E-Mails gibt es? Wer war beteiligt? Welche Unterlagen existieren? Die rechtlichen Fragen können komplex sein, aber oft ist der Sachverhalt selbst die größere Herausforderung. Genau das macht die Arbeit aber auch so abwechslungsreich und spannend.
Daniel: Bei uns in der Practice Group spielt neben der juristischen Arbeit und den Verhandlungen Projektmanagement eine zentrale Rolle. Das M&A-Team fungiert oft als zentrale Schnittstelle zum Mandanten. Man koordiniert verschiedene Praxisgruppen innerhalb der Kanzlei, bündelt Arbeitsergebnisse und sorgt dafür, dass komplexe Transaktionen strukturiert und reibungslos ablaufen. Dadurch entwickelt man nicht nur ein fundiertes Verständnis für das Zusammenspiel der einzelnen Rechtsdisziplinen, sondern baut auch gezielt organisatorische und kommunikative Kompetenzen auf, die im weiteren Berufsleben als Rechtsanwält:in wesentlich sind.
Thomas: Ich hatte anfangs ehrlich gesagt auch erwartet, dass jetzt die „klassische“ juristische Arbeit beginnt. In der Finanzierungspraxis laufen viele Transaktionen zwar grundsätzlich ähnlich ab, wodurch man schnell ein Gefühl für den Ablauf von Finanzierungstransaktionen bekommt – gleichzeitig hat jede Transaktion ihre Besonderheiten. Diese Mischung aus juristischer und organisatorischer Arbeit macht die Finanzierungspraxis so interessant.
Für mich war außerdem überraschend, wie wichtig Struktur und Organisation von Anfang an sind. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn ein Akt sauber aufgebaut ist und Dokumente schnell auffindbar sind. Gleichzeitig bekommt man bei E+H früh die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten, was am Anfang herausfordernd sein kann, aber genau dadurch lernt man schnell, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst gut zu organisieren.
Simon: Das heißt, dass neben den juristischen Skills werden in der Konzi-Zeit auch organisatorische und kommunikative Fähigkeiten wesentlich früher, als vielleicht ursprünglich gedacht weiterentwickelt – lässt sich das so zusammenfassen?
Daniel: Genau so lässt es sich zusammenfassen. Und was ich dabei besonders schätze: Bei E+H passiert das nicht irgendwann schrittweise, sondern von Anfang an. Man wird von Tag eins an gefordert und übernimmt Verantwortung. Darin liegt ein wesentlicher Faktor für die persönliche und fachliche Entwicklung.
Thomas: Und genau durch diese Einbindung von Anfang an kann man Schritt für Schritt auch fachlich und organisatorisch komplexere Mandate mitbetreuen.
Simon: Ein weiterer Punkt, den ich vorher unterschätzt habe: wie international die Arbeit tatsächlich ist. Ich hatte zwar erwartet, gelegentlich Englisch zu verwenden, aber dass ein so großer Teil des Arbeitsalltags auf Englisch stattfindet, hat mich überrascht.
Daniel: Das ist interessant, im Transaktionsgeschäft ist die internationale Dimension eigentlich selbstverständlich. Bei welchen Themen begegnet Dir das im Dispute Resolution-Bereich?
Simon: Zum Beispiel bei Schriftsätzen in Schiedsverfahren oder der Kommunikation mit internationalen Parteien. Anfangs war das schon ungewohnt, aber man wächst echt schnell hinein. Umso mehr habe ich dann auch verstanden, warum es bei E+H regelmäßige English Classes gibt ;)
Thomas: Internationale Transaktionen bringen auch noch ganz andere Aspekte mit sich, die ich so nicht erwartet hätte: Bei internationalen Finanzierungen wird es richtig spannend, wenn unterschiedliche Jurisdiktionen aufeinandertreffen. Was in einem Land problemlos möglich ist, kann in einer anderen Jurisdiktion rechtlich ganz anders aussehen. Genau in solchen Situationen werden oft kreative Lösungsansätze benötigt.
Daniel: Ein Aspekt, den man als Berufseinsteiger:in außerdem nicht unterschätzen sollte, ist die Möglichkeit, früh direkt mit Entscheidungsträger:innen auf Mandantenseite zusammenzuarbeiten. Man bekommt unmittelbare Einblicke in das Denken und Entscheiden auf Führungsebene und dadurch die Chance, die eigene Perspektive um eine wirtschaftliche und unternehmerische Dimension zu erweitern.
Simon: Und genau bei solchen Themen, bist Du einerseits weit über die rein juristische Arbeit hinaus und gleichzeitig macht erst dieser breitere Horizont die Beratung noch viel interessanter.
Thomas: Genau. Man entwickelt mit der Zeit nicht nur juristische Expertise, sondern auch ein stärkeres wirtschaftliches und unternehmerisches Verständnis. Das ist etwas, das ich vor meinem Einstieg in dieser Form nicht erwartet hätte, aber sehr schätze.
Daniel: Ein großer Vorteil, der den Berufseinstieg bei E+H auszeichnet, ist die Zusammenarbeit mit vielen anderen Konzipient:innen, die sich in einer ähnlichen Ausbildungsphase befinden und ungefähr im gleichen Alter sind. Dadurch entsteht schnell ein Austausch auf Augenhöhe, der im Alltag enorm hilfreich ist.
Simon: Das kann ich absolut bestätigen. Gerade am Anfang macht es einen enormen Unterschied, wenn man nicht das Gefühl hat, alles alleine herausfinden zu müssen. Was mich zusätzlich positiv überrascht hat, war die Offenheit innerhalb der Kanzlei. Auch auf Senior-Ebene stehen die Türen offen und man wird aktiv begleitet. Das nimmt richtig viel Druck aus der Anfangsphase!
Daniel: Und dieses Gemeinschaftsgefühl hört nicht beim Arbeitsalltag auf. Durch Kanzlei- und Teambuilding-Events entstehen Freundschaften und ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt und gerne arbeitet.
Thomas: Dem kann ich nur zustimmen. Obwohl man früh Verantwortung bekommt, fühlt man sich nie allein gelassen. Es gibt immer Kolleg:innen, die schon länger dabei sind und mit Tipps und Erfahrung unterstützen. Gerade am Anfang ist das unglaublich wertvoll.