1 Raum, 6 Expert:innen, 60 Jusstudierende und eine Frage, die alle bewegt: Wohin kann die Reise nach dem Jusstudium gehen?
Anwaltei, Inhouse Legal Counsel, öffentlicher Dienst oder doch Notariat - die Rechtsbranche bietet Absolvent:innen zahlreiche Karrierewege. Doch welcher davon passt wirklich zu mir? Was erwarten Arbeitgeber:innen? Und worauf kommt es im Bewerbungsprozess tatsächlich an? Genau diesen Fragen widmete sich die Podiumsdiskussion „Match me if you can – Bewerbung & Karriere in der Rechtsbranche", veranstaltet von LawFinder und der ÖH JKU Jus.
Was den Abend von klassischen Karriere-Events unterschied: Hier ging es nicht um polierte Recruiting-Botschaften oder abstrakte Karrieretipps, sondern um ehrliche Einblicke aus der Praxis. Sechs erfahrene Jurist:innen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern teilten offen ihre persönlichen Erfahrungen - vom Berufseinstieg über den Arbeitsalltag bis hin zu den Herausforderungen, die sie auf ihrem Weg erlebt haben.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen dabei die Fragen, die Jusstudierende wirklich beschäftigen: Welche Skills sind für die verschiedenen juristischen Tätigkeitsfelder besonders wichtig? Lohnen sich Zusatzqualifikationen wie ein LL.M.? Was zählt im Lebenslauf wirklich - und was eher nicht? Welche Fehler passieren im Bewerbungsgespräch immer wieder? Und wie laufen Auswahlprozesse hinter den Kulissen tatsächlich ab?
Die Stärke des Panels lag in seiner Vielfalt. Mit Vertreter:innen aus vier verschiedenen juristischen Berufsfeldern bekamen die rund 60 Teilnehmer:innen einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten, die ihnen nach dem Studium offenstehen.
Mag. Irene Waltersdorfer – die Stimme der Inhouse Jurist:innen
Als Senior Legal Counsel bei TGW Logistics und Co-Founderin der Legal Counsel Academy brachte Mag. Irene Waltersdorfer eine Perspektive mit, die im Jusstudium oft zu wenig Raum bekommt: die Tätigkeit als Unternehmensjuristin. Dass sie die Einladung aufs Podium sofort annahm, war für sie selbstverständlich - solche Abende sind ihr ein persönliches Anliegen. Der Grund: „Ich bin von Herzen Unternehmensjuristin und unser Berufsstand ist bei Studierenden viel zu wenig sichtbar. Dabei ist er so unglaublich vielfältig . nicht nur fachlich, sondern interdisziplinär."
Waltersdorfer machte greifbar, was den Reiz der Inhouse-Tätigkeit ausmacht: Als Teil des Teams gestaltet man aktiv mit - sucht die bestmögliche Lösung für das Unternehmen, für die Geschäftsführung, für die Kolleg:innen.
Auch zum großen Zukunftsthema Künstliche Intelligenz positionierte sie sich klar. Ihre Kernbotschaft an die Studierenden: Beschäftigt euch frühzeitig damit, sodass ihr euch von der KI abhebt - denn genau das sind die Skills, die es in Zukunft maßgeblich brauchen wird.
Das Feedback der Veranstalter:innen spricht für sich: „Dein Input war für uns aber vor allem für die Teilnehmer:innen von enormem Wert. Du hast deinen Blick auf die Inhouse-Tätigkeit sehr klar, authentisch und greifbar vermittelt. Genau diese ehrlichen Einblicke aus der Praxis sind es, die eine solche Veranstaltung wirklich besonders machen."
Mag. Victoria Zeppitz & Mag. Edin Šalo, LL.M. (London) – Einblicke in die Kanzleiwelt
Gleich zwei Perspektiven aus der Rechtsanwaltschaft bereicherten das Panel: Mag. Victoria Zeppitz, Rechtsanwältin bei Schönherr Rechtsanwälte, und Mag. Edin Šalo, LL.M. (London), Rechtsanwalt bei LeitnerLaw Rechtsanwälte, gaben Einblicke in den anwaltlichen Berufsalltag. Sie teilten ihre Erfahrungen zu Berufseinstieg und Karriereentwicklung in der Kanzleiwelt - die Anforderungen, die Kanzleien an Bewerber:innen stellen. Für Studierende, die eine Karriere in der Anwaltschaft ins Auge fassen, boten ihre Schilderungen wertvolle Orientierung.
Mag. Julian Wolfsegger – der öffentliche Dienst als Karriereoption
Als Jurist und Recruiter beim Land Oberösterreich eröffnete Mag. Julian Wolfsegger eine Perspektive, die bei Karrierediskussionen in der Rechtsbranche häufig unterrepräsentiert ist: den öffentlichen Dienst. Er informierte über die vielfältigen Jurist:innen-Stellen beim Land, stellte das Traineeprogramm vor und sprach über die besonderen Vorzüge, die der öffentliche Sektor als Arbeitgeber bietet. Für viele Studierende im Raum war dies ein Anstoß, einen Karriereweg in Betracht zu ziehen, der im Studium selten im Fokus steht.
Mag. Magdalena Plasser & Mag. Julian Priglinger – der Weg ins Notariat
Mit Mag. Magdalena Plasser, Notarsubstitutin, und Mag. Julian Priglinger, Notariatskandidat - beide tätig im Notariat Mag. Christian Plasser - war auch das Notariat am Podium vertreten. Sie eröffneten den Studierenden Einblicke in ein Berufsfeld, das zumeist nur ganz rudimentär behandelt wird, in der Praxis aber ebenso spannend wie vielfältig ist. Von der Ausbildung über die Karrierestufen bis hin zum Arbeitsalltag als Notar:in machten sie sichtbar, was diesen Beruf auszeichnet.
Neben den konkreten Einblicken in die einzelnen Berufsfelder kristallisierten sich im Laufe der Diskussion einige übergreifende Themen heraus:
Skills und Zusatzqualifikationen: Was braucht es wirklich, um in den verschiedenen Bereichen der Rechtsbranche erfolgreich zu sein? Die Panelist:innen waren sich einig, dass fachliche Exzellenz die Grundlage bildet – aber längst nicht alles ist. Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und unternehmerisches Denken wurden immer wieder als entscheidende Faktoren genannt. Auch die Frage nach dem Wert von Zusatzqualifikationen wie einem LL.M. wurde differenziert betrachtet.
Bewerbungsprozesse und typische Fehler: Die Expert:innen gaben ehrliche Einblicke in das, was hinter den Kulissen von Auswahlprozessen wirklich passiert. Von häufigen Fehlern im Bewerbungsgespräch bis hin zu dem, worauf HR-Verantwortliche bei Bewerber:innen tatsächlich achten - die Studierenden nahmen jede Menge praxisnahe Tipps mit.
Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Rechtsbranche: Am Schluss stand das Thema KI als eine der großen Zukunftsfragen im Raum. Was bedeutet der technologische Wandel für juristische Berufe? Welche Tätigkeiten werden sich verändern? Und wie können sich angehende Jurist:innen darauf vorbereiten? Die Botschaft war klar: Wer sich frühzeitig mit den eigenen Stärken jenseits dessen, was KI leisten kann, auseinandersetzt, ist für die Zukunft gut aufgestellt.
Ab 19:30 Uhr ging der Abend in den informellen Teil über. Bei Snacks und Getränken nutzten die Studierenden ausgiebig die Gelegenheit, mit den Panelist:innen direkt ins Gespräch zu kommen - sei es für vertiefende Fragen zum Berufseinstieg, persönliche Tipps oder den ein oder anderen wertvollen Kontakt. Denn eines zeigte der Abend eindrucksvoll: In der Rechtsbranche zählt neben Kompetenz vor allem eines - der persönliche Austausch.
Das LawFinder Glücksrad war natürlich auch wieder dabei und die Teilnehmer:innen konnten tolle Preise - nicht nur LawFinder Goodies sonder auch Thermoflaschen von Schönherr und Sportsocken vom Land Oberösterreich - gewinnen.
„Match me if you can" hat gezeigt, dass Karriereorientierung in der Rechtsbranche vor allem dann gelingt, wenn echte Praktiker:innen offen und ehrlich aus ihrem Alltag berichten. Den einen richtigen Weg gibt es nicht - aber wer früh verschiedene Bereiche kennenlernt, die richtigen Fragen stellt und sich mit den eigenen Stärken auseinandersetzt, trifft die bessere Entscheidung. Genau dafür hat dieser Abend den Raum geschaffen.
