Transformation der Rechtsbranche zum Anfassen
Am 5. März 2026 versammelte sich die österreichische Legal-Tech-Community erneut zum Austrian Legal Tech Talk (alt:t) – ROUND 02 im fiskaly Eventroom auf der Mariahilfer Straße in Wien. Was bereits in der ersten Runde begonnen hatte, setzte sich nun mit noch mehr Dynamik fort: ein Abend voller Impulse, ehrlicher Diskussionen und intensiver Begegnungen rund um die Zukunft der Rechtsbranche.
Das übergeordnete Thema des Abends war klar: Transformation. Doch statt abstrakter Schlagworte stand vor allem eines im Mittelpunkt – der konkrete Austausch darüber, wie sich juristische Arbeit, Organisationen und Rollenbilder tatsächlich verändern.
Schon in der Keynote von Paul Nimmerfall (Co-Founder & COO von Econetix) wurde deutlich: Transformation in der Rechtsbranche bedeutet weit mehr als nur den Einsatz neuer Technologien.
In seiner Keynote gewährte Nimmerfall spannende Einblicke in seinen eigenen Karriereweg – von der juristischen Praxis hin zur unternehmerischen Tätigkeit im Climate-Tech-Bereich. Anhand dieser persönlichen Transformation zeigte er, wie sich Perspektiven verändern, wenn juristisches Denken auf unternehmerische Realität, Innovation und neue Geschäftsmodelle trifft.
Dabei stellte er auch mehrere zum Nachdenken anregende – teils bewusst provokante – Hypothesen zur Zukunft der Rechtsbranche in den Raum. Seine Impulse kreisten um die Frage, welche Rollen Jurist:innen künftig einnehmen werden, wie sich Entscheidungslogiken verändern und welche Kompetenzen in einer zunehmend technologiegetriebenen Welt entscheidend sein werden.
Sein zentraler Gedanke:
Technologische Innovation verändert nicht nur Werkzeuge – sie verändert Denkweisen, Entscheidungslogiken und Verantwortlichkeiten.
Diese Perspektive bildete den idealen Auftakt für die anschließende Diskussion.
Im anschließenden Panel-Talk diskutierten Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen der Rechtsbranche über die tatsächliche Tiefe des Wandels:
Merve Taner, Legal Counsel Product & AI Advisory bei der Erste Bank und Sparkasse
Jakobus Schuster, CEO und Co-Founder von notarity
Leopold Gottsauner-Wolf, Rechtsanwalt bei Herbst Kinsky
sowie weitere Stimmen aus der Legal-Tech-Community
Die Diskussion zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Transformation erlebt wird – je nachdem, ob man aus einer Großkanzlei, einem regulierten Konzernumfeld oder einem Legal-Tech-Startup auf die Branche blickt.
Besonders deutlich wurde dabei:
Innovation und Regulierung müssen kein Widerspruch sein, wenn Legal früh in technologische Projekte eingebunden wird.
Digitale Produkte verändern die Art, wie rechtliche Dienstleistungen gedacht werden.
Die größte Herausforderung liegt häufig nicht in der Technologie, sondern im Change Management innerhalb von Organisationen.
Ein besonderes Highlight des Abends war erneut das Speed-Dating-Format.
In mehreren kurzen Gesprächsrunden hatten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, sich im Acht-Minuten-Rhythmus intensiv auszutauschen. Was zunächst wie ein spielerisches Format wirkt, entpuppte sich als äußerst effektives Networking-Instrument.
Hier trafen unter anderem aufeinander:
Anwält:innen und Konzipient:innen
Legal-Tech-Gründer:innen
Inhouse-Jurist:innen
Studierende und Young Professionals
Investor:innen und Unternehmer:innen
Innerhalb kürzester Zeit entstanden zahlreiche neue Kontakte, Ideen und Kooperationen.
Viele Gedanken und Beobachtungen aus den Diskussionen und Gesprächen zogen sich wie ein roter Faden durch den Abend:
1. Prozesse sind die Grundlage jeder Transformation
Viele Kanzleien verfügen noch immer über kaum standardisierte Abläufe. Ohne klare Prozesse wird jedoch weder Skalierung noch der sinnvolle Einsatz neuer Technologien möglich.
2. Technologie allein reicht nicht
Die Einführung neuer Tools bedeutet immer auch Change Management. Mitarbeitende müssen in die Veränderung eingebunden werden, damit Innovation tatsächlich Wirkung entfalten kann.
3. KI verändert den Wettbewerb
Ein Gedanke blieb besonders hängen:
Nicht KI wird Jurist:innen ersetzen – sondern Jurist:innen, die KI nutzen, werden diejenigen ersetzen, die es nicht tun.
4. Die Zukunft der juristischen Ausbildung steht vor neuen Fragen
Wenn Automatisierung und KI bestimmte Aufgaben übernehmen, stellt sich langfristig auch die Frage, wie zukünftige Generationen von Jurist:innen ausgebildet werden.
Was den Austrian Legal Tech Talk besonders macht, ist nicht nur das Programm – sondern vor allem die Community.
Der Abend brachte Menschen zusammen, die die Transformation der Branche nicht nur beobachten, sondern aktiv gestalten wollen. Die Mischung aus erfahrenen Praktiker:innen, innovativen Unternehmer:innen, jungen Jurist:innen und Studierenden zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die österreichische Legal-Tech-Landschaft inzwischen geworden ist.
Legal Tech ist längst kein Buzzword mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem echten Motor für Innovation innerhalb der Rechtsbranche.
Der Erfolg von ROUND 02 macht Lust auf mehr. Die nächste Gelegenheit zum Austausch steht bereits fest:
Austrian Legal Tech Talk – ROUND 03
17. September 2026
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Wer die Entwicklung der Rechtsbranche aktiv mitgestalten möchte, sollte sich diesen Termin bereits vormerken.
